Alkohol als Suchtmittel

Alkohol als Suchtmittel

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Kein anderes legal erwerbliches Suchtmittel ist in Deutschland so verbreitet und akzeptiert wie der Alkohol: Mehr als 135 Liter alkoholische Getränke werden hierzulande jährlich pro Kopf konsumiert. Insgesamt 10 Millionen neigen zu einem riskanten Trinkverhalten und gefährden dadurch ihre Gesundheit. Weil ein regelmäßiger Alkoholgenuss für viele zum Gesellschafts- und Freizeitleben – wie selbstverständlich – dazugehört, wird sein Gefährdungspotenzial als Suchtmittel kaum wahrgenommen. Mythen, wie die vom gesundheitsfördernden Gläschen Rotwein am Abend, fördern diese verharmlosende Sichtweise. Dabei sind die gesundheitlichen Risiken und Schäden, die durch regelmäßigen Konsum bis hin zu Missbrauch von Alkohol entstehen können, ernst zu nehmen.

Wie wirkt Alkohol im Körper?

Alkohol richtet – gerade auch auf Dauer – mehr an, als den vorübergehenden „Kater“, der sich durch Hering, saure Gurken und viel Mineralwasser schnell vertreiben lässt. Und selbst das besagte Gläschen Rotwein ist in seiner angeblich gesundheitsfördernden Wirkung in seriösen Forscherkreisen alles andere als unumstritten.

Worüber sich viele vielleicht nicht bewusst sind: Alkohol ist ein Zellgift, eine Art Betäubungsmittel. Es greift insbesondere die Nervenzellen im Gehirn an. Nach dem Trinken gelangt es schnell ins Blut und verteilt sich von da aus im gesamten Organismus. Circa 40 Minuten dauert es, bis die Konzentration von Alkohol im Blut am höchsten ist. Die Folgen: Eine deutlich langsamere Reaktionsgeschwindigkeit, eine erhebliche Beeinflussung des Bewusstseins und der Gefühle sowie eine erhöhte Risikobereitschaft und ein zunehmender Kontrollverlust über den eigenen Körper.

Ist der Grenzwert von 3,0 Promille erreicht, spricht man von einer akuten Alkoholvergiftung, die zum Gedächtnisverlust oder gar zur vollkommenen Bewusstlosigkeit führen kann. Langfristig bewirkt ein zu hoher Konsum unter anderem eine massive Schädigung der Leber, die sich im Endstadium oft zu einer Leberzirrhose (Schrumpfleber) entwickelt. Die Gedächtnisleistung und das Konzentrationsvermögen nehmen stetig ab, wodurch auch die Intelligenz irreversibel beeinträchtigt werden kann.

Wie kann eine Sucht entstehen?

Wer nach der Arbeit gerne mal ein „Feierabendbierchen“ trinkt oder sich zum leckeren Essen ab und zu ein Gläschen Wein gönnt, ist in der Regel noch nicht alkoholabhängig. Was aber, wenn das Feierabendbier unverzichtbar und das Verlangen so stark wird, dass eine Reduzierung des Alkoholkonsums körperliche und/oder psychische Symptome und Beschwerden hervorruft? Dann ist die kritische Suchtgrenze bereits eindeutig überschritten. Tückisch ist dabei, dass sich der Übergang zur Abhängigkeit meist schleichend vollzieht. Erst trinkt man nur in Gesellschaft und zum Spaß. Nach und nach beginnt man jedoch, auch zur Kompensation von als belastend empfundenen Befindlichkeiten zum Alkohol zu greifen. Im Laufe der Zeit findet der Betroffene immer wieder und immer mehr Gründe, Alkohol zu sich zu nehmen. Schließlich gerät er in die verhängnisvolle Spirale der Sucht: Körper und Psyche haben sich mittlerweile an einen hohen Pegel gewöhnt. Sie benötigen daher eine bestimmte Menge an Alkohol, um im vermeintlichen Gleichgewicht zu bleiben.

Woran lässt eine Alkoholabhängigkeit erkennen?

Eine Alkoholabhängigkeit lässt sich anhand verschiedener Merkmale erkennen. Das auffälligste Warnzeichen zeigt und konkretisiert sich im starken Verlangen. Es ist geradezu ein innerer Zwang, Alkohol konsumieren zu müssen. Denn nur so meint man zum Beispiel, Sorgen und Ängste vertreiben zu können. Ein weiteres Symptom stellt das Unvermögen da, die Menge und Häufigkeit des Alkoholkonsums kontrollieren zu können. Auch die Vernachlässigung anderer Interessen oder gar Verpflichtungen zugunsten des Alkohols ist ein klares Indiz. Ebenso deuten Entzugserscheinungen, wie starkes Schwitzen, Ruhelosigkeit oder Händezittern, auf eine in der Regel dann schon fortgeschrittene Abhängigkeit hin.

Schritte aus der Abhängigkeit

Nur wenn der Alkoholabhängige sich eingesteht, dass er süchtig ist, kann der erste Schritt aus der Abhängigkeit erfolgen. Beratungsstellen für den Einstieg in den Ausstieg finden sich in fast jeder Stadt. Andernfalls kann auch der Hausarzt als Anlaufstation hierfür dienen. Ein Entzug beginnt mit dem Verzicht auf das Suchtmittel. Dadurch wird der Körper erst einmal entgiftet. Es können starke Entzugserscheinungen auftreten. Deshalb sollte ein geplanter Entzug immer ärztlich begleitet werden. Nach der erfolgten Entgiftung werden die psychische Abhängigkeit und die möglicherweise eingetretenen Begleit- und Folgeerkrankungen der einstigen Sucht in den Fokus genommen. Hierbei ist seitens der Ärzte und Therapeuten ein tiefgehendes Verständnis der individuellen Persönlichkeitsstruktur des betroffenen Menschen erforderlich. Denn nur so ist überhaupt erst eine optimale, effiziente und nachhaltige Behandlung möglich.

Vorteile des stationären Entzugs

Ein stationärer Entzug hat einen großen Vorteil: Der Patient befindet sich in einer Atmosphäre, die vom belastenden Alltag und anderen suchtauslösenden Faktoren sowie von verhängnisvoll eingeschliffenen Ritualen wirklich losgelöst ist. In einer Entzugsklinik wie Lifespring erfolgt die Behandlung dabei im Rahmen eines kontrollierten medizinischen Verfahrens. In ihm werden neben einer symptomorientierten Medikation nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen auch Zusatzbehandlungen in Form von körperlicher Betätigung und neuroelektrischer Stimulation angewendet. In dieser Form erfolgt ein ausgesprochen sanfter beziehungsweise „warmer“ Entzug.

Außerdem können sich die medizinischen, psychotherapeutischen und anderweitig begleitenden Fachkräfte und Spezialisten beim stationären Entzug den Patienten wesentlich intensiver und umfassender widmen. Das gilt erst recht für die private Sucht- und Entzugsklinik Lifespring mit ihrer ganz bewusst begrenzten Aufnahmekapazität von „lediglich“ 22 Patienten. Denn so besteht ein Verhältnis zwischen Therapeuten und Patienten von nahezu 1:1.

„Qualifizierter Alkoholentzug“ und Nachsorge

Entzug und Entgiftung sind aber nur der erste Teil des Weges aus der Abhängigkeit. Ein qualifizierter Alkoholentzug nach dem Verständnis der S3-Leitlinien bedeutet vor allem auch, mit dem Patienten die Gründe für seine Abhängigkeit zu analysieren, neue Lebens- und Berufsperspektiven zu entwickeln und ihn auf ein Leben ohne Alkohol vorzubereiten. Denn nur so besteht eine realistische Chance auf eine dauerhafte Lebens- und Verhaltensänderung und einen wirklich nachhaltigen Therapieerfolg.

Auch eine Vermittlung an örtliche Selbsthilfegruppen findet am Ende der Therapie statt. Dies ist für den Patienten enorm wichtig, damit eine langfristige Stabilität sowie ein unterstützendes Umfeld geschaffen werden kann. Durch eine enge Vernetzung zwischen stationären und ambulanten Maßnahmen kann das Rückfallrisiko deutlich gesenkt werden. Und für den Patienten erhöht sich noch einmal deutlich die Chance, auch unter „realen“ Bedingungen in ein selbstbestimmtes und suchtfreies Leben zurückzufinden.

Links für Angehörige, Betroffene und Interessierte

Einstieg ins Thema

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Selbsthilfe

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Über den Autor
Frank Frank
Im Sommer 2018 bin ich von Lifespring mit der Redaktion dieses Blogs betraut worden und der Autor dieses Beitrags. Mein Name ist Frank. Seit vielen Jahren arbeite ich als freier Redakteur, Texter und Lektor. Auch ich habe eine „Suchtkarriere“ durchlebt. Bei mir war es der Alkohol. Seit 4 Jahren bin ich abstinent. Ich will hier nicht den häufig bemühten Himmel-Hölle-Vergleich bemühen. Denn beim Durchleiden meiner Sucht war nicht alles Hölle. Und jetzt, im Zustand der „Enthaltsamkeit“, ist nicht nur der Himmel auf Erden. Trotzdem war der Ausstieg aus einem alkoholschwangeren Leben die beste Entscheidung, die ich in jüngerer Zeit getroffen habe. Ich habe meine Freiheit und einen überwiegend klaren Kopf zurückgewonnen – auch wenn das Weltgeschehen mit nüchternem und enteuphorisiertem Blick nicht immer leicht zu ertragen ist. In diesem Blog möchte ich unter anderem über aktuelle Themen aus der Suchtforschung, aus dem Klinikalltag von Lifespring sowie aus den behandelten Suchtindikationen berichten. Ganz besonders möchte ich aber eins: Sie, als Betroffene oder Betroffenen, und Ihre unter Umständen ebenfalls betroffenen Angehörigen, genau da „abholen“, wo Sie der Schuh beziehungsweise die Sucht drückt.
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