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Corona und Alkoholsucht

Corona und Alkoholsucht

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Seit Wochen hat das Thema „Corona“ das Weltgeschehen fest im Griff: Wie hoch ist die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem neuartigen Virus SARS-CoV-2? In wieviel Tagen verdoppelt sich diese Zahl? Wie viele Todesopfer fordert die dadurch ausgelöste Krankheit Covid-19? Fragen wie diese sind geradezu omnipräsent. In vielen Ländern gelten drastische Beschränkungen, um der drohenden oder bereits eingetretenen Überforderung des jeweiligen nationalen Gesundheitssystems Einhalt zu gebieten. Und die Regierungen zahlreicher Staaten werden nicht müde davor zu warnen, dass der Höhepunkt der Epidemie noch nicht erreicht sei.

Klima der Angst und Verunsicherung

Es ist wahrscheinlich unumgänglich, die betroffenen Bevölkerungen auf diese Weise immer wieder neu zu sensibilisieren. Denn man hatte vor allem zu Beginn der Coronakrise häufig den Eindruck, dass viele Menschen die durch SARS-CoV-2 ausgelöste Pandemie nicht ernst genug nahmen. Doch nun, wo ihre Auswirkungen durch die massiven Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens für jeden hautnah spürbar sind, ist längst ein Klima zwischen Verunsicherung und Angst entstanden. Man wird von Existenzsorgen geplagt, über 95.000 zuletzt als an Covid-19 Erkrankte allein bei uns und noch viel mehr durch Geschäftsschließungen, Kurzarbeit und plötzlich wegbrechende Einnahmen.

Zunehmend setzt sich die Erkenntnis durch: Das Thema „Corona“ wird uns noch lange beschäftigen. Zu gravierend sind die Auswirkungen und Einschnitte. Hieran schließen sich weitere Fragen an: Wird eine Rückkehr zu unserem Leben von vor der Krise überhaupt möglich sein? Und was macht diese Krise mit uns Menschen – auch auf längere Sicht?

Was macht Corona mit suchtaffinen Menschen?

Für mich, der regelmäßig zu den Themen „Sucht“ und „Entzug“ schreibt, stellt sich die letztgenannte Frage unter einem ganz besonderen Blickwinkel: Was macht diese Krise mit Menschen, die suchtgefährdet, suchtkrank oder „trocken“ und somit rückfallgefährdet sind? Denn für suchtaffine Menschen sind die bereits angesprochenen Einschnitte ganz besonders „herausfordernd“:

  • Soziale Kontakte sind weitgehend eingeschränkt.
  • Die Tagestruktur leidet unter Homeoffice oder noch viel weitreichenderen Arbeits- und Freizeitbeschränkungen.
  • Die soziale Kontrolle des Suchtkonsums entfällt durch die Verlagerung des Lebens ins rein Private.
  • Das ungewohnte und ständige „Aufeinanderhocken“ von Lebenspartnern und Familien führt – übrigens genauso wie das momentan erzwungene Alleinsein in Singlehaushalten – zu Frust, Aggression, Depression und Überforderung.
  • Existenzsorgen und Zukunftsängste schüren das Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins.

Suchtprobleme machen wegen Corona nicht Pause

Im Sonntagstalk von Anne Will sagte eine Medizinerin zuletzt zutreffend: „Andere Krankheiten und Probleme machen wegen Corona nicht Pause.“ Erste Vergleiche von Verkaufszahlen deuten darauf hin, dass dies zum Beispiel gerade auch für den übermäßigen und missbräuchlichen Konsum von Alkohol gilt. Der Umsatz von Spirituosen scheint nämlich seit Beginn der Krise europaweit in die Höhe zu schnellen – auch in Deutschland. Zum Beispiel berichtete erst kürzlich hierzu der Spiegel in seinen Online-Nachrichten. Selbst wenn diese Zahlen noch nicht vollends belastbar sind, zeigen sich Gesundheitsexperten und die Weltgesundheitsorganisation bereits alarmiert. Denn: Ein übermäßiger und missbräuchlicher Konsum von Alkohol ist Gift fürs Immunsystem. In Zeiten jedoch, wo es noch kein Medikament gegen Covid-19 gibt, zählt eine intakte körpereigene Infektabwehr – neben Abstand halten – zu den wichtigsten Waffen im Kampf gegen das SARS-CoV-2-Virus.

Alkohol auch in Coronazeiten kein Retter in der Not!

An dieser Stelle ist eine Klarstellung überfällig: Alkohol ist weder als Seelentröster noch als medizinisches Heilmittel geeignet. Dies gilt eigentlich immer. Aber gerade in diesen Tagen liest man häufig: Alkohol zerstört die Außenhülle des neuartigen Corona-Virus und tötet es dadurch ab. Gemeint ist hiermit natürlich ausschließlich sein Vorkommen in Desinfektionsmitteln und Haushaltsreinigern.

Dennoch werden hierdurch Witze befeuert, wie: Trink hochprozentigen Schnaps und mach Corona so den Garaus. Sie haben zurzeit zum Beispiel in den sozialen Medien Hochkonjunktur. Doch selbst in einem öffentlich-rechtlichen Sender wie dem MDR wurde zuletzt einem seriösen Experten die Frage gestellt: „Hilft denn auch der Konsum alkoholischer Getränke gegen Corona? Schließlich gäbe es ja die Empfehlung, viertelstündlich zu trinken.“ Daraufhin der Experte: „Ein bis zwei Drinks könnten wohl nicht schaden. Aber hochprozentig müssten sie sein, zum Beispiel Whiskey.“

Welch tragische Blüten ein solch, nur vermeintlich gelungener Humor treiben kann, zeigt ein Beispiel aus Peru: Mit einem ganz ähnlichen Versprechen wurden dort 16 Menschen zum Verzehr eines mit gepanschtem Alkohol versetzten Anti-Corona-Getränks verleitet. Sie alle bezahlten diesen schlechten „Witz“ mit Ihrem Leben und erlagen einer Vergiftung. So wurde es vor wenigen Tagen übereinstimmend in mehreren Nachrichtenportalen gemeldet. Deshalb möchte ich mich hier unmissverständlich positionieren: Abgesehen von diesem ohnehin unfassbaren und verwerflichen Vorfall in Peru halte ich Scherze über einen angeblich schützenden Effekt von alkoholischen Getränken bei drohender Coronagefahr im Moment für absolut unangemessen. Sie tragen nicht nur generell zur Verharmlosung von Alkoholmissbrauch bei, sondern ermuntern auch zu einer völlig verfehlten Strategie im Umgang mit dieser Krise.

Die Coronakrise als Chance

Was wir stattdessen brauchen, sind wirklich Mut machende und Hoffnung gebende Signale. Wir müssen lernen, dieser Krise etwas Positives abzugewinnen. Denn sie bietet auch Chancen. So zeigt sich unser Leben plötzlich von einer ungewohnt entschleunigten Seite. Man hat Zeit – für sich und lange vernachlässigte Gedanken und Wahrnehmungen. Vielleicht geraten so wieder Dinge ins Blickfeld, die wirklich wesentlich sind und in der Alltagshetze oft untergehen. Und vielleicht wird einem bei alledem klar, dass es zurzeit nicht nur ein Klima der Angst, sondern auch ein Klima ermutigender Veränderungen gibt – zum Beispiel die überfällige „Wertschätzung für Tätige in der Kranken- und Altenpflege“.

Wäre es von daher nicht auch für einen suchtkranken Menschen nun eine Überlegung wert, sich von diesem Klima der Veränderung mitreißen zu lassen? Wäre es jetzt nicht die richtige Zeit, die Entschleunigung dafür zu nutzen, suchtfördernde und suchterhaltende Verhaltensweisen, Handlungsroutinen und Rituale neu zu überdenken? Und welche Zeit wäre wohl besser dazu geeignet, einen Entzug anzugehen – diskret und unbemerkt von einem Großteil des sozialen Umfelds. Und vor allem, ohne dass man da draußen etwas verpasst. Selbst bei der Arbeit wäre man jetzt entbehrlich, wenn man nicht gerade einen der sogenannten „systemerhaltenden“ Berufe ausübt.

Lifespring: Auch während Covid-19 eine Klinik für Suchtkranke

Eine Reihe von Suchtkranken folgt diesen Überlegungen bereitwillig. Denn sie brauchen und suchen gerade jetzt ein Refugium und eine stabilisierende Anlaufstelle. Daher versteht es sich von selbst, dass die private Sucht- und Entzugsklinik Lifespring in Bad Münstereifel ihrer Verantwortung und Mission auch während der Coronakrise nachkommt. Mit anderen Worten: Der Klinikbetrieb läuft im Kern uneingeschränkt weiter. Allerdings ist das nur möglich, da zahlreiche zusätzliche Sicherheits-, Vorsorge- und Hygienemaßnahmen mit größter Sorgfalt durchgeführt werden. Denn der Schutz von Patienten und Mitarbeitern hat oberste Priorität. Hierzu zählt zum Beispiel die im Hinblick auf eine mögliche Covid-19-Infektion zielende und eingehende telefonische Risikoabklärung im Vorfeld einer Patienten-Neuaufnahme. Für die Anreise wird ein kostenloser Taxitransfer von Tür zu Tür angeboten. Auch wurde die bislang geltende Besuchsregelung ausgesetzt. Schließlich beschränken sich Outdooraktivitäten auf das Klinikgelände, welches allerdings parkähnlich und sehr weitläufig ist.

Hilfsangebote für Ehemalige

Doch auch diejenigen, die bereits erfolgreich einen qualifizierten Entzug absolviert haben, brauchen jetzt die Unterstützung von Lifespring über den Klinikaufenthalt hinaus. Denn Hilfsangebote, die für die Bewährung und Stabilisierung von Entzugspatienten im Alltag besonders wichtig sind, stehen zurzeit oft nicht zur Verfügung. Hierzu zählen zum Beispiel der regelmäßige Besuch und Austausch im Rahmen von Selbsthilfegruppen. Lifespring überbrückt diese Lücke durch wöchentlich stattfindende Sprechstunden per Videoschalte. Sie werden zum Beispiel von Sjeng Verheijden, dem in der persönlichen Krisenintervention besonders erfahrenen Drama- und Musiktherapeuten der Lifespring Suchtklinik, abgehalten.

Martin Potocki unterweist im Rahmen des Newsletters von Lifespring als Sport- und Bewegungstherapeut per Kurzvideo ehemalige Patienten in Fitnessübungen. Sie lassen sich einfach und zuhause durchführen. Darüber hinaus gibt es weitere aufmunternde Ansprachen an ehemalige Entzugsabsolventen. Auch besteht die Möglichkeit, in dieser belastenden Zeit ein Feedback zur persönlichen Befindlichkeit zu geben und sich daraufhin kontaktieren zu lassen. Denn es gehört ganz maßgeblich zur familiär geprägten Philosophie von Lifespring, dass Empathie, Fürsorge und Hilfe für Patienten auch mit dem Verlassen der Klinik nicht enden. Das gilt erst recht in dieser krisengeplagten Zeit. In diesem Sinn: Bleiben Sie gesund! Und halten Sie es mit dem hoffnungsvollen Romantitel von Richard Roper, der da lautet: „Das Beste kommt noch“. Denn irgendwann wird auch die Coronakrise vorbei und Vergangenheit sein.

Über den Autor
Frank Frank
Im Sommer 2018 bin ich von Lifespring mit der Redaktion dieses Blogs betraut worden und der Autor dieses Beitrags. Mein Name ist Frank. Seit vielen Jahren arbeite ich als freier Redakteur, Texter und Lektor. Auch ich habe eine „Suchtkarriere“ durchlebt. Bei mir war es der Alkohol. Seit 4 Jahren bin ich abstinent. Ich will hier nicht den häufig bemühten Himmel-Hölle-Vergleich bemühen. Denn beim Durchleiden meiner Sucht war nicht alles Hölle. Und jetzt, im Zustand der „Enthaltsamkeit“, ist nicht nur der Himmel auf Erden. Trotzdem war der Ausstieg aus einem alkoholschwangeren Leben die beste Entscheidung, die ich in jüngerer Zeit getroffen habe. Ich habe meine Freiheit und einen überwiegend klaren Kopf zurückgewonnen – auch wenn das Weltgeschehen mit nüchternem und enteuphorisiertem Blick nicht immer leicht zu ertragen ist. In diesem Blog möchte ich unter anderem über aktuelle Themen aus der Suchtforschung, aus dem Klinikalltag von Lifespring sowie aus den behandelten Suchtindikationen berichten. Ganz besonders möchte ich aber eins: Sie, als Betroffene oder Betroffenen, und Ihre unter Umständen ebenfalls betroffenen Angehörigen, genau da „abholen“, wo Sie der Schuh beziehungsweise die Sucht drückt.
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