Kokainsucht: Welche Anzeichen gibt es?

Woran kann man eine Kokainsucht erkennen?

Mann Kokainsucht

Es gibt also gute Gründe, der Frage nachzugehen, woran man eine Kokainsucht erkennen und dingfest machen kann. Im Folgenden wird zunächst ein Überblick über die hier in Betracht kommenden Erscheinungen gegeben. Diese werden unter den Stichwörtern „Suchtmerkmale“, „Entzugserscheinungen“ und „Folgeschäden bei Langzeitkonsum“ zu Symptomkomplexen zusammengefasst. Das soll die Anzeichen einer Kokainsucht greifbarer machen.

Auch wird auf typische Verhaltensweisen von Kokainsüchtigen eingegangen.

Weiterhin werden die Möglichkeiten eines Selbsttests sowie ärztliche Diagnoseoptionen beleuchtet. Der Blickwinkel von Angehörigen findet ebenfalls Beachtung. Und selbstverständlich wird zum Schluss hin die Frage beantwortet, was man tun kann und auch tun sollte, wenn alle Anzeichen für eine Kokainsucht sprechen.

Welche Merkmale nennt die zurzeit noch gültige ICD-10?

Typische Warnsignale für eine Abhängigkeit von Kokain sind die im Folgenden aufgelisteten Hauptmerkmale einer Sucht. Sie gründen auf der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 1990 herausgegebenen ICD-10-Klassifizierung medizinischer Diagnosen. Es handelt sich um einen internationalen Standard, der auch in Deutschland zur Anwendung kommt. Treffen im Kontext mit Kokainkonsum mindestens 3 dieser 6 Hauptmerkmale innerhalb eines Jahres zu, sind die Kriterien für die ärztliche Diagnose einer Kokainsucht erfüllt.

Merkmal Beschreibung
Toleranzentwicklung Rezeptoren-Desensibilisierung durch wiederholte Kokaineinwirkung, verbunden mit Dosissteigerung zur Erreichung der Anfangswirkung
Entzugserscheinungen Spezifische Beschwerden bei Unterbrechung/Ausbleiben des Konsums
Craving Starkes Verlangen nach Konsum von Kokain
Kontrollverlust Konsumverhalten (z. B. Beginn, Beendigung, Häufigkeit und Menge) entzieht sich der willentlichen Kontrolle
Vernachlässigung Gleichgültigkeit z. B. bei Wahrnehmung von Verpflichtungen, Interessen (z. B. Hobbys) oder sozialen Beziehungen/Kontakten
Schädigender Konsum Fortsetzung des Kokaingebrauchs trotz offensichtlich schädlicher Folgen

Wie kennzeichnet die neue ICD-11 eine Kokainsucht?

Die Tage der ICD-10-Klassifizierung sind gezählt. Denn mit der ICD-11-Klassifizierung ist bereits seit 2022 eine überarbeitete Nachfolgeversion im Umlauf. Sie soll den seit 1990 neu gewonnenen Erkenntnissen im Bereich Sucht Rechnung tragen. Unter anderem ist das Indikationsspektrum nun weiter gefasst und schließt auch Verhaltenssüchte (z. B. Glücksspiel oder Computerspiele) mit ein. Außerdem zielt die ICD-11 stärker auf das Schaffen internationaler Standards ab (z. B. weltweit abgestimmte Terminologie, globale Statistik). Dabei nutzt sie die Möglichkeiten der Digitalisierung (z. B. einheitliche digitale Plattform, Big-Data-Analysen).

Strukturell gesehen sind die 6 Hauptkriterien der ICD-10 nun kompakter aufbereitet und zu 3 Paaren gebündelt:

Paar Hauptmerkmale einer Kokainsucht nach ICD-11
Paar 1: Toleranzentwicklung oder Entzug
Paar 2: Craving oder Kontrollverlust
Paar 3: Vernachlässigung von Verpflichtungen oder fortgesetzter Konsum trotz Problemen

Vom Wording her hat sich wenig getan. Lediglich das zweitgenannte Symptom in Paar 3 ist mit der Bezeichnung „Probleme“ weiter gefasst als das 6. Hauptmerkmal in der Tabelle der ICD-10 („schädlicher Folgen“). Das soll auch rechtliche und soziale Folgen miteinschließen.

Für eine Diagnose müssen 2 Paare erfüllt sein, wobei innerhalb eines Paares schon ein Symptom genügt. Der Schwellenwert für die Indikation einer Kokainsucht ist bei der ICD-11 also niedriger als bei der ICD-10. Bedeutsamer ist aber ein anderer Unterschied: Die ICD-11 erlaubt nun eine Differenzierung hinsichtlich Konsummuster und Schweregrad.

Welche neuen Differenzierungen bietet die ICD-11?

Bild Text Arzt Andreas

Andreas Gholmié
Leitender Arzt

Die ICD-11 ermöglicht es, neben täglichem Kokainkonsum nun auch episodische Konsumentgleisungen (z. B. wiederholte Kokainexzesse am Wochenende) zu berücksichtigen. Außerdem erlaubt sie eine graduelle Einordnung der Kokainsucht zum Beispiel in leicht, mittel und schwer – jeweils abhängig von der Anzahl und Intensität der erfüllten Kriterien:

  • Leicht: nur wenige Kriterienpaare erfüllt, geringe funktionale Einschränkungen.
  • Mittel: mehrere Kriterienpaare erfüllt, deutliche Einschränkungen im Alltag.
  • Schwer: fast alle Kriterien erfüllt, massiver Kontrollverlust, gravierende körperliche/soziale Folgen.

Wie zu sehen ist, orientieren sich die Schweregrade dabei nicht nur an Symptomen, sondern auch am Ausmaß funktionaler Beeinträchtigungen im Alltag (z. B. Arbeit, Familie, Gesundheit). Ihre zeitliche Erfassung erstreckt sich dabei im Kern weiterhin auf (mindestens) 12 Monate. Allerdings können in der ICD-11 auch kürzere Zeiträume berücksichtigt werden können, wenn die Symptome besonders ausgeprägt sind.

Insgesamt gesehen markieren die Differenzierungsmöglichkeiten der ICD-11 gegenüber der ICD-10 einen deutlichen Fortschritt. Denn so kann die Schwere einer Kokainsucht künftig viel genauer eingestuft werden, anstatt wie bisher Betroffene nur in „abhängig“ oder „nicht abhängig“ einzuteilen. Darüber hinaus trägt diese Handhabung dem Umstand Rechnung, dass die Entstehung einer Kokainsucht ein fließender Prozess ist. Er entwickelt sich in aller Regel über einen längeren Zeitraum und mehrere Stadien hinweg. Durch das deutlich feinere Diagnoseinstrumentarium der ICD-11 kann in diesen Prozess künftig wesentlich früher ärztlich eingegriffen werden.

Welche typischen Entzugserscheinungen gibt es?

In gewisser Weise kennzeichnend und „verräterisch“ sind die bereits in der Tabelle der ICD-10 erwähnten Entzugserscheinungen. Insofern ist es hilfreich, hierauf einen genaueren Blick zu werfen. Man unterscheidet üblicherweise zwischen den folgenden psychischen und körperlichen Symptomen:

Psychisch Körperlich (v. a. bei Crack und Freebase)
Reizbarkeit und Aggressivität Bluthochdruck
Halluzinationen: z. B. Verfolgungswahn, Gefühl von krabbelnden Insekten unter der Haut Unkontrolliertes Zittern und Zuckungen bis hin zur Verletzungsgefahr
Unfähigkeit, zwischen Realität und Vorstellung zu unterscheiden (Realitätsverlust) Juckreiz am ganzen Körper
Ich-Störungen: z. B. Gefühl der Entfremdung Schüttelfrost
Paranoide Gedanken, z. B. übersteigertes Misstrauen Mattigkeit und totale Erschöpfung
Depressive Stimmungstiefs („Crashes“) Kopfschmerzen
Panikattacken, Angstzustände übermäßiges Schwitzen
Schlafstörungen Anstieg der Körpertemperatur
Konzentrationsprobleme Übelkeit, Erbrechen und Durchfall

Welche Folgeschäden drohen bei dauerhaftem Gebrauch von Kokain (sowie auch Crack und Freebase)?

Sucht Und Depression Mann Auf Sofa

Zu den zentralen Aspekten eines suchtgesteuerten Konsums zählen Regelmäßigkeit und Dauerhaftigkeit. Diese Art des Substanzgebrauchs ist bei Kokain sowie anderen psychotrop wirkenden Stoffen mit einem hohen Risiko für Begleit- und Folgeschäden behaftet. Treten solche Schäden auf, sind auch sie somit als Anzeichen einer Kokainsucht zu werten. Es gibt hier zwar Überschneidungen mit den in Tabelle 3 genannten Entzugserscheinungen. Insgesamt ist das Spektrum an möglichen Folgeschäden aber weiter gefasst, so dass ihre gesonderte Auflistung Sinn macht.

  • Kokainpsychose mit Realitätsverlust, paranoiden Wahnvorstellungen und Halluzinationen, hier vor allem dem sogenannten „Dermatozoenwahn“ (Gefühl von krabbelnden Insekten unter der Haut)
  • Kognitive Defizite mit Gedächtnisproblemen, Konzentrationsstörungen, verminderter Aufmerksamkeit, verlangsamter Reaktionszeit, Verwirrtheit und Desorientierung
  • Persönlichkeitsveränderungen mit antisozialem und narzisstischem Verhalten sowie gesteigerter Aggressivität, schneller Reizbarkeit und mangelnder Impulskontrolle
  • Depressionen mit Antriebsstörungen und innerer Leere bis hin zu Suizidgedanken
  • Gesteigerte neuronale Erregbarkeit mit erhöhtem Risiko für epileptische Anfälle
  • Innere Unruhe
  • Angstzustände, Panikattacken
  • Schlafstörungen
  • Schwächung des Immunsystems durch: 1. Negative Einwirkung auf Makrophagen, T-Zellen, natürliche Killerzellen, Zytokine; 2. Überbeanspruchung der körpereigenen Abwehr aufgrund chronischer Entzündungen
  • Herzrhythmusstörungen (Tachykardie), Blutgefäßverengung, Arteriosklerose und Bluthochdruck mit deutlich erhöhtem Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombosen
  • Beim Crack- und Freebase-Rauchen: „Cracklunge“ durch Ascheablagerungen mit hohem Risiko für Lungenödem, Kurzatmigkeit, Husten und Lungenbluten
  • Schädigung von Leber und Nieren bis hin zur Insuffizienz und zum Versagen beider Organe
  • Menstruationsstörungen, deutlich erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen
  • Schädigung der Nasenscheidewand und Nebenhöhlen durch „Kokain-Sniefen“ sowie gestörter Geruchs-/Geschmackssinn
  • Zahnschäden durch Calciumentzug
  • Starker Gewichtsverlust durch Appetithemmung
  • Neurologische Langzeitschäden mit Abbau der grauen Hirnsubstanz (Hirnatrophie) in Frontallappen, Temporallappen und limbischen Strukturen – ähnlich wie bei Alzheimer
  • Deutliche Beeinträchtigung der sexuellen Funktion (erektile Dysfunktion) durch eine Kombination aus gestörter Dopaminregulation, hormonellen Dysbalancen und Blutgefäßschäden.
  • Strafrechtliche Probleme und hohes Risiko für finanzielle Verschuldung
  • Kontaktstörungen, Tendenz zur Selbstisolation

Welches Verhalten ist für Kokainkonsumenten typisch?

Eines der häufigsten Anzeichen dafür, dass jemand Kokain konsumiert, ist sein gegenüber vorher stark verändertes sowie schwankendes Verhalten. Grundsätzlich lässt sich der Kokainrausch dabei in drei Phasen unterteilen:

Phase 1

Kokain wirkt sich während des Konsums zunächst positiv auf die konsumierende Person aus. Im Zuge dessen treten oft die folgenden Erscheinungen auf:

  • Hyperaktivität, vermehrter Rededrang und erhöhte Aufmerksamkeit,
  • gesteigerte Vitalität und Leistung sowie
  • soziale Enthemmung und Luststeigerung.

Phase 2

Haben die positiven Effekte der ersten Phase vergleichsweise kurz nach dem Konsum nachgelassen, stellen sich häufig ein:

  • Angstgefühle und Anspannung sowie
  • Halluzinationen und paranoide Wahnvorstellungen.

Ist der Rausch vollständig abgeklungen, fällt der Konsument in ein Tief mit depressiven Verstimmungen.

Phase 3

Die charakteristischen Merkmale der letzten Phase des Kokainrauschs sind unter anderem

  • Antriebslosigkeit und Erschöpfung sowie
  • Niedergeschlagenheit und Müdigkeit.

Mögliche besonders schwerwiegende psychische Folgen können paranoide Störungen und Selbstmordgedanken bis hin zum tatsächlichen Suizid sein.

Welches Verhalten kennzeichnet Langzeitkonsumenten?

Aufgrund des regelmäßigen, in diesen Fällen meist täglichen Konsums mit immer höheren Dosen (Toleranzentwicklung!) kommt es zu dauerhaften psychischen Veränderungen. „Gute Phasen“ gibt es immer seltener. Wenn sie einmal eintreten, sind sie nur sehr kurzfristig. Das allgemeine Empfinden des Kokainsüchtigen ist geprägt von Ruhelosigkeit, Gereiztheit und Aggressivität.

Oftmals ziehen sich Abhängige immer weiter zurück und haben eine starke Tendenz zur Selbstisolation, bis hin zum vollständigen Abbruch sozialer Bindungen. Es können sich zudem neben Konzentrations-, Schlaf- und Koordinationsstörungen auch sexuelle Funktionsstörungen entwickeln.

Weitere häufige Symptome sind immer wiederkehrende Angstzustände und eine sehr auffällige Verwirrtheit. Häufig leiden Kokainsüchtige auch unter dem „Dermatozoenwahn“. In diesem Fall sind sie davon überzeugt, hin und her krabbelnde Insekten unter der Haut zu spüren.

Wird der Konsum von Kokain bei diesen Erscheinungsformen nicht eingestellt, kann es zu nicht umkehrbaren Persönlichkeitsstörungen, psychotischen Symptomen („Kokainpsychose“) und krankhaften Veränderungen in Stimmung und Antrieb kommen.

Warum neigen Menschen mit Kokainsucht oft zum Lügen?

Bild Text Mann Emotional Hilfe Sofa

Bei Kokainsucht stellt der nächste Rausch die höchste Priorität dar. Andere Verpflichtungen werden zur Nebensache, egal ob es um Familie oder Arbeit geht.

Für den Konsum tut der Suchtkranke alles, da die innere Leere während der „Kokain-Pausen“ immer unerträglicher wird.

Auch das Schamgefühl spielt eine große Rolle. Vielen ist es sehr unangenehm, die Abhängigkeit zugeben zu müssen. Schließlich sind sich viele Kokainabhängige aufgrund des Verlusts der Selbstwahrnehmung gar nicht darüber im Klaren, dass sie lügen.

Insgesamt ist es daher wenig verwunderlich, dass Lügen zum Krankheitsbild der Kokainsucht zählt. Denn es ist das erste Mittel der Wahl, um der Sucht möglichst ungehindert nachgehen und sie – auch vor sich selbst – verbergen zu können. Lügen und Selbstbetrug stellen somit eine veritable Erschwernis dar, eine Kokainsucht zu erkennen.

Gibt es individuelle Unterschiede?

Die Reaktion auf Kokain ist sehr individuell und kann bei jedem anders ausfallen. Insofern haben individuelle Faktoren großen Einfluss auf die Ausprägung von akuten Wirkungen, Entzugssymptomen und Langzeitschäden. Die zuvor genannten Anzeichen müssen daher keineswegs vollständig beziehungsweise in der gleichen Intensität und Konstellation auftreten. Dies ist neben dem oben genannten Merkmal des Belügens und Verbergens ein weiteres Erschwernis, eine Kokainsucht leicht und eindeutig zu erkennen.

Wichtige individuelle Faktoren im Detail:

Konsummuster

Dosis, Frequenz, Dauer und Konsumweg beeinflussen die Intensität der Überstimulation und Ausprägung neuroplastischer Veränderungen (z. B. an den Kontaktstellen für Synapsen, den sog. dendritischen Spines).

Kombinationen mit anderen Substanzen

In der Praxis ist Mischkonsum bei Kokain eher die Regel als die Ausnahme. Alkohol, Opioide, Benzodiazepine etc. verändern Pharmakokinetik/-dynamik und erhöhen neurotoxische, vaskuläre und kardiovaskuläre Risiken.

Genetische Unterschiede

Genvarianten für Transporter, Rezeptoren, Metabolisierungsenzyme (z. B. CYPs) und Signalwege beeinflussen die Anfälligkeit für Sucht- und Toleranzentwicklung, Entzugserscheinungen sowie Langzeitfolgen.

Alter und Entwicklungsstand

Jüngere Gehirne sind plastischer und empfindlicher für langfristige neuro-adaptive Umprogrammierung.

Gesundheitszustand

Mangelernährung, chronischer Schlafverlust und Stoffwechselprobleme verschlechtern die neuronale Erholung und fördern Entzündungen im Gehirn.

Selbsttest: Bin ich kokainsüchtig?

Kokain Selbsttest

Wer sich fragt, ob er kokainsüchtig ist, macht sich in der Regel bereits Sorgen über seinen Konsum. Diese Sorge wird sehr oft von Scham begleitet. Daher stellt es für viele zunächst eine hohe Hürde dar, ärztliche Expertise und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hier kommt der Selbsttest ins Spiel. Er ersetzt zwar nicht die ärztliche Diagnose. Aber er liefert durchaus aussagekräftige Anhaltspunkte, die den Verdacht eines schon vorhandenen „Bauchgefühls“ erhärten können.

 

Anleitung zum Selbsttest

Die folgenden Fragen bitte anhand der Bewertungsskala in der rechten Tabellenhälfte beantworten. Für jede Antwort die entsprechende Punktzahl im jeweiligen Tabellenfeld eintragen.

Für die Auswertung die Punktwerte bitte spaltenweise addieren und am Spaltenfuß eintragen. Aus den Spaltensummen dann die Quersumme bilden und links in den beiden Feldern notieren. Übersteigt die Quersumme einen Wert von 5, deutet dies bereits auf einen problematischen Kokainkonsum hin.

Was kann man tun, wenn alle Anzeichen für eine Kokainsucht sprechen?

In diesem Fall sollten Sie ernsthaft in Erwägung ziehen, die Ärztin beziehungsweise den Arzt Ihres Vertrauens zu konsultieren. Eine niedrigschwellige Hilfsmöglichkeit bieten Suchtberatungsstellen, die man zum Teil auch zunächst anonym kontaktieren kann. Im Folgenden beispielhaft und ohne Bewertung zwei mögliche Anlaufstellen:

Caritas Online-Beratung

  • Fokus: Suchtberatung (neben Kokain auch andere Süchte, wie Alkohol)
  • Besonderheit: Anonyme Online-Beratung mit Fachleuten
  • Zugang: Direkt online starten

DHS Suchthilfeverzeichnis

  • Fokus: Alle Suchthilfe-Einrichtungen
  • Besonderheit: Detaillierte Filter (z. B. PLZ, Thema, Zielgruppe)
  • Zugang: Datenbank-Suche

Trauen Sie sich einen dieser Schritte noch nicht zu, vertrauen Sie sich zumindest schon einmal einer vertrauten Person aus Ihrem privaten Umfeld an und bitten Sie diese um Unterstützung.

Sind Sie in Ihrem Selbsterkenntnisprozess schon weiter fortgeschritten, bieten sich weitere Möglichkeiten. Vielleicht ist Ihnen mittlerweile der Schweregrad Ihrer Suchterkrankung klar geworden. Vielleicht haben Sie aber auch bereits Erfahrungen mit ambulanten Interventionen gesammelt. Und vielleicht haben Sie dabei festgestellt, dass Sie auf diesem Weg nicht das von Ihnen angestrebte Ziel eines nachhaltig suchtbefreiten Lebens erreichen. Dann kommt für Sie unter Umständen eine Qualifizierte Entzugsbehandlung in einer Fachklinik infrage. Diese Entscheidung kostet sicher mehr Überwindung, als sich einem Freund anzuvertrauen oder anonym eine Suchtberatung zu kontaktieren. Dennoch gibt es gute Gründe, die für die Wahrnehmung eines solchen Behandlungsangebots sprechen.

Wie stellt sich eine Kokainsucht aus der Sicht von Angehörigen dar?

Der folgende Forumsbeitrag (Quelle: https://www.suchtundselbsthilfe.de/forum/) wirft ein bezeichnendes Licht auf typische Probleme in einer Beziehung mit einem Kokainsüchtigen. Er wurde redaktionell zur besseren Verständlichkeit überarbeitet und zur Wahrung von Persönlichkeitsrechten anonymisiert:

«Ich habe vor ein paar Wochen erfahren, dass mein Mann seit ca. 3 Jahren kokst (nach eigenen Angaben 3 g pro Woche). Einige Freunde und Arbeitskollegen wussten Bescheid, versuchten oft, mit ihm zu reden oder ihn unter Druck zu setzen. Sie ernteten nur Lügen und Ausflüchte. Erst als (…) ich ihn mit einem positiven Substanztest konfrontierte, war er geständig. Zunächst bagatellisierte er die Sache und log weiter, um sein Gesicht zu wahren. Doch er stoppte den Konsum nach zwei Tagen (THC und Alkohol konsumiert er weiterhin täglich, allerdings in erträglichen Maßen), suchte das offene Gespräch mit Freunden und Kollegen und entschuldigte sich. Er freut sich sehr über sein neues Lebensgefühl, geht wieder seinen Hobbys nach, kümmert sich um die Familie (wir haben drei Kinder) und ist einfach wieder ‚da‘. Er sagt, dass er weder Entzug noch Craving verspüre, es sei schrecklich gewesen und er sei froh, dass es nun vorbei sei.

Eigentlich müsste ich mich freuen und glücklich sein. Doch ich habe fast das Gefühl, als würde ich jetzt seinen Entzug durchmachen: depressive Tage, Wut, Verzweiflung, Traurigkeit darüber, wie wir die letzten Jahre gelebt haben. Ich habe versucht, mit Kälte, Spannung, Aggressivität, Gesprächsverweigerung, überzogenen Forderungen, Großkotzigkeit und Vulgärsprache zurechtzukommen. Ich habe vieles auf mich bezogen und war auf dem Holzweg. Wir hatten massive Geldprobleme, wir mussten die Kredite für seine Selbstständigkeit umschulden. Ich habe gerechnet, organisiert und gespart, solange er jeden Monat 1000 Euro auf die Seite brachte. Er zeigte kein Interesse an finanzieller Planung und machte mir ein schlechtes Gewissen, indem er mir vorwarf, er würde sich durch das Geldgerede als Versager fühlen. (…) Aber wie kann ich einen Menschen schätzen und begehren, so wie er es braucht und wünscht, der mich so hintergangen hat? Das tiefe Vertrauen und die Geborgenheit in der Partnerschaft sind gestört. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen kann.»

Im folgenden Thread werden Zweifel laut, dass jemand nach drei Jahren regelmäßigen und hochdosierten Konsums ohne Hilfe von außen aus der Sucht kommen kann. In der Tat endet der Thread mit dem folgenden Post:

«Mein Mann hat drei Monate durchgehalten, in denen der Alkohol- und THC-Konsum deutlich gestiegen sind und wir deshalb in Streit geraten sind. Vor Kurzem hatte er einen Rückfall, den er aber leugnet. Leider gehören zu dieser Erkrankung Verleugnung sich selbst und anderen gegenüber, Kontrollverlust, Schuldzuweisungen an andere und Substanzwechsel.»

Was können Angehörige im Kontext einer Kokainsucht tun?

Bild Text Quadrat Anja

Anja Kampmann
Psychologin

Die weiter oben gegebene Empfehlung, die sich an Betroffene selbst richtet, gilt ebenso für Menschen, die einer/einem Kokainsüchtigen nahestehen. Denn der im vorherigen Abschnitt wiedergegebene Post aus einem Selbsthilfeforum veranschaulicht: Die negativen Begleiterscheinungen der Kokainsucht können unter Umständen stark auf das Umfeld von Betroffenen abfärben. Studien bestätigen das und zeigen, dass dadurch auch Angehörige einem hohen Leidensdruck sowie entsprechenden gesundheitlichen Schäden ausgesetzt sein können. Außerdem fällt es diesem Personenkreis nicht minder schwer, die Suchtproblematik offen zu kommunizieren und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein häufig genannter Grund hierfür ist die Angst vor Unverständnis und Vorwürfen des eigenen sozialen Umfelds.

Doch letztlich gilt für Angehörige, die durch die nahe Teilhabe am Leben eines Süchtigen überfordert sind und dem entfliehen wollen: Ohne Support von außen wird es oft nicht gehen. Denn letztlich wird man kaum an der durchaus bitteren Erkenntnis vorbeikommen: Man kann den suchtgesteuerten Kokainkonsum einer/eines nahestehenden Menschen zum Beispiel als Partner/in nicht ändern. Das kann nur die/der Konsumierende! Aber man kann bei sich selbst etwas verändern. Das ist allerdings oft ebenso schwer wie für die konsumierende Person. Nicht umsonst spricht man in diesem Zusammenhang vom Phänomen der Co-Abhängigkeit.

Genau deshalb kann es für Sie, wenn Sie sich als Angehörige/Angehöriger in diesen Ausführungen wiederfinden, ebenfalls höchst empfehlenswert sein, zum Beispiel eine Suchtberatungsstelle aufzusuchen.

FAQs zur Wirkung von Kokain (inkl. Freebase/Crack)

Kokain greift tief in den Stoffwechsel von Dopamin, Noradrenalin und Serotonin ein. Diese Botenstoffe (siehe FAQ zu Botenstoffen) zählen zu den sogenannten „Glückshormonen“. Als solche steuern sie

  • Euphorie und Motivation (Dopamin),
  • Wachheit, Aufmerksamkeit und Stressbewältigung (Noradrenalin)
  • sowie die Stimmungslage (Serotonin).

Das bildet aber nur einen Teil ihrer Aufgaben ab. Sie erfüllen ihren Dienst nämlich in weiteren bedeutsamen Regelungssystemen. So moduliert Dopamin neben der Motivation auch den motorischen Bereich. Noradrenalin wiederum ist nicht nur für geistige Präsenz zuständig, sondern ebenso eine zentrale Stellschraube für das sympathische System (Herzfrequenz, Blutdruck, Gefäßtonus). Und Serotonin reguliert über die Stimmungslage hinaus den Schlaf-Wachrhythmus und Appetit. Dies erklärt, warum sich der Gebrauch von Kokain auf weit mehr auswirkt als auf unser bloßes Glücksempfinden.

Typisch für das Wirkprofil von Kokain sind ein ausgeprägter Push-up- und Push-down-Effekt. Sie bedingen einen Großteil des Suchtpotenzials von Kokain. Denn kurze Wirkdauer und schnell einsetzendes Tief mit den entsprechenden Entzugserscheinungen sind Craving-Booster. Sie befeuern das Verlangen, den euphorischen Anfangszustand so schnell wie möglich wiederherzustellen. Rein pharmakologisch gesehen erklärt sich das aus den Folgeerscheinungen des zentralen Wirkprinzips von Kokain, der ebenso plötzlich einsetzenden und kurzlebigen „Wiederaufnahmehemmung“.

Normalerweise werden Neurotransmitter nach Signalweitergabe an der Postsynapse zur Präsynapse zurückgebracht. Dort werden sie zum Abbau oder Recycling wiederaufgenommen. Genau in diesen Prozess greift Kokain ein: Es blockiert die für Rücktransport und Wiederaufnahme zuständigen Transporterproteine von Dopamin (DAT), Noradrenalin (NOR) und Serotonin (SERT). Dies geschieht so schnell, stark und plötzlich, dass hohe Neurotransmitter-Spitzen im synaptischen Spalt entstehen. Dadurch werden Rezeptoren an der Grenzwand der Empfängerzelle (Postsynapse) sowie auch extra-synaptische Rezeptoren überschießend stimuliert. Es kommt somit zu einer intensiven Signalgebung. Infolgedessen fahren die von Dopamin, Noradrenalin und Serotonin gesteuerten Regelungssysteme sprunghaft hoch. Hierauf gründet der als Kick oder Flash bezeichnete Push-up-Effekt von Kokain mit rasch anflutender Euphorie und Motivation, gesteigerter Wachheit, Aufmerksamkeit und Stressbewältigung sowie aufgehellter Stimmungslage.

Wirkprofil von Kokain, Crack und Freebase
Konsumform Einsetzen des Flashs Dauer des Rauschs
Freebase/Crack quasi sofort 5 bis 10 Minuten
Kokain nach wenigen Sekunden bis zu 1 Stunde
Kokain nach wenigen Minuten bis zu 1 Stunde

Der Rausch von Kokain ist ein flüchtiges Vergnügen. Das hängt mit der kurzen Halbwertzeit dieser Stimulanz zusammen. Sie beträgt gerade einmal 2–5 Stunden. Insofern kommt es ebenso plötzlich, wie die Wiederaufnahmehemmung bei Kokain einsetzt, zu ihrem Stopp. Die Folge ist: Der Botenstoffspiegel im synaptischen Spalt bricht deutlich schneller ein, als sich die Rezeptoren-Überreizung wieder normalisiert. Außerdem muss der Botenstoffnachschub in der Präsynapse erneut angekurbelt werden. Denn spezifische Autorezeptoren haben die durch Kokain ausgelösten Neutransmitter-Spitzen in der Synapse gemessen. Die Neubildung und Freisetzung des Botenstoff-Nachschubs ist daraufhin vorübergehend gedrosselt worden, um die Wucht der Kokainwirkung zumindest teilweise auszugleichen.

Was als sinnvolle Gegenregulation gedacht ist, trägt nun zu einem temporären Mangel von Dopamin, Noradrenalin und Serotonin sowie ihrer Signalgebung bei. Genau hierauf gründen die im Abschnitt „Wie kennzeichnet die neue ICD-11 eine Kokainsucht?“ aufgelisteten Entzugserscheinungen.

Bei einem suchtgetriebenen Kokainkonsum kommt es zu einer regelmäßigen, unter Umständen sogar täglichen Überstimulation der Rezeptoren an der postsynaptischen Membran. Das initiiert nicht nur die oben dargestellten kurzfristigen Gegenregulationen in Form von akuten Entzugserscheinungen, sondern auch langfristige Umbauten. In der Neurologie spricht man von neuroadaptiven Veränderungen.

So nimmt die Rezeptordichte an der postsynaptischen Membran sukzessive ab (Downregulation). Dies geschieht etwa durch verringerte Neubildung von Rezeptoren, ihren verstärkten Abbau und ihre Verlagerung in schwer zugänglichere Membranbereiche. Auch lässt die Bindungs- und Kopplungsfähigkeit der Rezeptoren nach. Sie reagieren dadurch auf Transmitterreize weniger stark (Desensibilisierung). Kurzfristig ist das ein wirksamer Schutzmechanismus vor ständiger Überreizung. Langfristig liegt hierin aber eine der Hauptursachen für die Toleranzentwicklung bei fortgesetztem Substanzkonsum: Bei gleichem Transmittereiz fällt die postsynaptische Antwort immer geringer aus, sodass die Dosis erhöht werden muss, um dieselben Effekte zu erzielen.

Die durch dauerhafte Anwendung von Kokain in Gang gesetzten Prozesse gehen aber noch tiefer. Auch in den Neuronen selbst sowie in den von ihnen gebildeten Netzwerken verändern sich die Wege und Verarbeitungsqualität der Signalgebung. Hinzu kommt die dauerhafte Drosselung der Transmitter-Synthese und eine Umorganisation der Synapse. Zur Verfestigung dieser Anpassungen tragen auch epigenetische Mechanismen bei. Deshalb ist eine Kokainsucht so hartnäckig – Stichwort „Suchtgedächtnis“.

Somit bleibt festzuhalten: Die nachhaltige Schwächung des dopaminergen, noradrenergen und serotinergen Systems mindert deren Wirksamkeit im Alltag.

Ja, Kokain sowie auch Crack und Freebase sind nachweisbar, und zwar bereits bei nur einmaligem Gebrauch! Im Blut sind alle drei Formen bzw. ihre Abbauprodukte bis zu 24 Stunden auffindbar. Im Urin beträgt die Zeitspanne der Nachweisbarkeit 2–4 Tage. Am längsten, nämlich über mehrere Monate hinweg, hinterlässt der Konsum von Kokain, Crack und Freebase Spuren in den Haaren.

Chemisch gesehen ist Kokain ein Alkaloid der Kokapflanze. Die Blätter enthalten bis zu 1 % des Stoffs. Durch Extraktion wird dieser Prozentsatz zunächst erhöht. Danach finden unter Zugabe verschiedener chemischer Substanzen Reaktionen statt, an deren Ende das bekannte farblose, wasserlösliche und extrem bitter schmeckende Pulver steht. In seiner kristallinen Form ist Kokain weiß. In der Szene nennt man es daher meist „Schnee“ oder „Koks“.

Die gebräuchlichste Konsumform ist das Schnupfen durch die Nase. Dabei wird eine zu einer dünnen Linie geformte Menge des Pulvers durch ein Röhrchen oder einen gerollten Geldschein in die Nase gezogen („gesnieft“). Selten wird es geschluckt oder – in Wasser aufgelöst – intravenös injiziert. Das Spritzen wird häufig unter Heroinsüchtigen beobachtet.

Crack ist eine rauchbare Sonderform von Kokain, dem durch die Verkochung von Kokainhydrochlorid mit Natron das Chlorid-Ion entzogen wurde. Übrig bleibt ein weiß, rosa oder gelblich aussehender Feststoff, der nicht wasserlöslich ist und bei 96°C verdampft.

Eine Sonderform von Crack, Freebase, wird mithilfe organischer Lösungsmittel obendrein von Streckmitteln „befreit“. Dadurch ist es reiner, also noch gefährlicher als Crack.

Crack und Freebase sind kleine, gelbliche Körnchen („Steine“/„Rocks“). Sie werden zumeist in speziellen Pfeifen oder Zigaretten geraucht, selten auf Alufolie erhitzt und inhaliert.

Die häufigste Co‑Substanz beim Kokainkonsum ist Alkohol. Hierauf weisen die Befragungs- und Übersichtsdaten vieler Erhebungen hin. Chronischer Mischkonsum von Kokain und Alkohol verstärkt und verkompliziert die beschriebenen neuroadaptiven Anpassungen. Dabei ist das schädliche Potenzial von Mischkonsum mehr als die Summe der Einzelwirkungen. Der Beikonsum von Alkohol:

  • verstärkt neuroadaptive Veränderungsprozesse sowie die epigenetisch Verfestigung dieser Prozesse.
  • erhöht das Risiko für neurotoxische und vaskuläre Schäden (z. B. durch kardiotoxischen Metabolit Cocaethylen).
  • verschärft die Entzugs‑ und Rückfallprofile und macht eine therapeutische begleitete Erholung langwieriger und unsicherer.
  • fördert die geschilderten Langzeitfolgen.

Ist ein Kokain-Entzug zu Hause sinnvoll?

  • Ein zuhause in reiner Eigenverantwortung und daher in aller Regel kalter Kokainentzug ist sehr schwierig. Die neuro-medizinische Ursache: Ihrem Körper fehlen die vor allem bei langanhaltendem Kokainkonsum stark beeinträchtigten Botenstoffe Dopamin, Noradrenalin und Serotonin. Die entsprechenden Zusammenhänge werden im FAQ-Bereich „Fragen zur Wirkung von Kokain (inkl. Freebase/Crack)“ ausführlich dargestellt.
  • Im Rahmen eines flachklinischen Entzugs stehen rund um die Uhr Ärzte, Psychotherapeuten und Ansprechpartner zur Verfügung. Diese können auch auf schwerwiegendere Entzugssymptome umgehend reagieren. Das ist von großer Wichtigkeit. Denn ein Teil dieser Entzugserscheinungen ist potenziell lebensbedrohlich. Als Beispiel verweisen wir auf die Suizidgefahr infolge einer abgrundtiefen Leere und Depression, die Kokainpatienten im Rahmen des Entzugs sehr häufig und stark empfinden.
  • Außerdem sind die begleitenden psychotherapeutischen und komplementärtherapeutischen Maßnahmen, die besonders die Qualifizierte Entzugsbehandlung kennzeichnen, von großer Bedeutung. Denn erst sie tragen in entscheidendem Maß dazu bei, eine auch langfristige und dauerhafte Abstinenz erzielen zu können.
  • Nicht zu unterschätzen ist außerdem, dass Betroffene bei einem klinischen Entzug aus genau dem gewohnten Umfeld geholt werden, das sie automatisch mit ihrer Suchterkrankung verbinden.

Die Antwort auf die Frage, ob ein Kokain-Entzug zu Hause sinnvoll ist, lautet: Es kommt darauf an. In einigen Fällen (bei nicht so langer Einnahme von nicht so hohen Dosen) kann es – nur nach ausgiebiger Rücksprache und in engmaschiger Begleitung durch den Hausarzt! – durchaus möglich sein, einen Entzug zu Hause erfolgreich durchzuführen.

In schwereren Fällen, das heißt, besonders bei längerer Einnahme von hohen Dosen und entsprechend ausgeprägten Entzugs- oder Folgesymptomen, ist aber ein kontrollierter und professioneller Entzug in einer Fachklinik dringend zu empfehlen. Hierfür sprechen vor allem die zuvor genannten Gründe.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Botenstoffen

Zwischen Nervenzellen und ihren Schnittstellen mit anderen Gewebezellen (z. B. Muskel-/Drüsenzellen) befinden sich Zwischenräume. Sie bezeichnet man als synaptischen Spalt. Er muss zur Weitergabe von Signalen zwischen den Zellen überbrückt werden. Diese Funktion übernehmen Botenstoffe (Neurotransmitter).

Ein Großteil des Stoffwechsels von Botenstoffen spielt sich in der aussendenden Zelle, also der Nervenzelle vor dem synaptischen Spalt, ab. Hier finden Neubildung und Speicherung der Neurotransmitter statt. Ihre Freisetzung erfolgt bedarfsgerecht. Dazu messen Autorezeptoren in der angrenzenden Membran der Senderzelle (Präsynapse) den Botenstoffspiegel im Spalt. Das gewährleistet, dass weder zu viele noch zu wenige Neurotransmitter zur Verfügung stehen. Nach erfolgter Signalübermittlung werden die Botenstoffe von der Senderzelle wieder aufgenommen. Dort werden sie abgebaut oder recycelt und erneut gespeichert.

Die Signalübertragung wird durch einen elektrischen Impuls, das sog. Aktionspotenzial, in Gang gesetzt. Dies initiiert das Eindringen der Botenstoffe von der Präsynapse in den synaptischen Spalt. Durch Diffusion gelangen sie dann zu den Rezeptoren der Postsynapse. Das ist die aufnehmende Membran der Empfängerzelle, also der Zelle nach dem synaptischen Spalt. Dort docken die Neurotransmitter an und liefern ihre „Botschaft“ ab. Anschließend werden sie von speziellen Transporterproteinen zur ursprünglich aussendenden Nervenzelle zurückgebracht und zum bereits erwähnten Abbau oder Recycling wiederaufgenommen. Dies beendet die Signalübertragung.

Behandlung einer Kokainsucht bei LIFESPRING

„Ich kann einfach nicht mehr.“ Dies ist eine sehr typische Aussage, die wir oft zu Beginn von unseren kokainabhängigen Patienten zu hören bekommen. Immer schwingt ein verzweifelter Unterton darin mit. Verständlich. Denn Kokain fordert einen hohen Preis: Neben immensen Kosten eben auch den Verlust von Gesundheit und Kontrolle über das eigene Leben.

Wenn Betroffene zu uns in die Klinik kommen, befinden sie sich daher meist am absoluten Tiefpunkt. Sie haben die Lösung ihrer Kokain-Probleme bisher nicht gefunden. Denn gerade beim Thema Kokainentzug ist es in Deutschland noch recht schwer, eine passende Anlaufstation zu finden.

Deshalb behandeln wir die Sucht hier bei Lifespring mit einem eigens dafür entwickelten Therapiekonzept, dessen Durchführung ausschließlich von Spezialisten betreut wird.

Wie läuft die Qualifizierte Entzugsbehandlung bei LIFESPRING ab?

Info Grafik Qualifizierte Entzugsbehandlung

Qualifizierte Entzugsbehandlung bei LIFESPRING

Die qualifizierte Entzugsbehandlung bei LIFESPRING findet von Beginn an auf verschiedenen Ebenen statt. Eine dieser Ebenen umfasst die körperliche Entgiftung. Sie zielt darauf ab, den Körper vom Suchtstoff zu befreien. Hier treten vor allem körperliche Entzugssymptome mit den entsprechenden möglichen Komplikationen auf. Insofern sollte gerade diese Phase ärztlich überwacht werden. Zur Milderung der auftretenden Beschwerden kommen spezifische und hochwirksame Medikamente sowie das innovative Verfahren der Neuro-Elektrischen Stimulation (NES) zum Einsatz.

Auf einer weiteren Ebene wird zeitgleich ein intensives psychotherapeutisches Programm im Einzelsetting absolviert. Dabei sollen die Ursachen ihrer Abhängigkeit und Suchtanfälligkeit tiefgreifend erkannt und beginnend behandelt werden. Ergänzend tragen sozio- und milieutherapeutische Interventionen dazu bei, hinderliche Verhaltensmuster zu identifizieren und neue Lebensstrategien zu entwickeln.

Flankierende Maßnahmen aus dem Bereich der Tanz-, Kunst- und Bewegungstherapie setzen im Gruppensetting zusätzliche Impulse. Sie helfen, die angestrebte Kokain-Abstinenz langfristig zu stabilisieren. Des Weiteren leisten auch achtsamkeitsbasierte Ansätze wie Yoga oder Meditation sowie emotionsaktivierende Formate wie die Dramatherapie einen wichtigen Beitrag. Denn sie tragen dazu bei, wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen.

Schließlich rundet der Sozialdienst die Qualifizierte Entzugsbehandlung ab. Er bespricht passende und möglichst wohnortnahe Nachsorgeangebote (z. B. Psychiater, Psychologen oder Selbsthilfegruppen). Damit soll die erste besonders fragile Phase nach dem Klinikaufenthalt überbrückt und der Einstieg in einen kokainfreien Alltag stabilisierend begleitet werden.

Lassen sich Entzugssymptome bei der Behandlung einer Kokainsucht gut mildern, und wenn ja, wie?

In fachkundigen Händen lassen sich Entzugserscheinungen heutzutage gut mildern. Angefangen zum Beispiel bei Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie Herzrasen und Blutdruckschwankungen über innere Unruhe, Angst, Panik und Schlafstörungen bis hin zu Halluzinationen, paranoiden Gedanken oder Depressionen mit suizidalem Verhalten – für all diese Komplikationen gibt es mittlerweile sehr spezifische Medikamente mit guter Wirksamkeit.

Darüber hinaus behandeln wir Sie während des Entzugs mit einer innovativen und daher noch selten praktizierten Methode: der Neuro-Elektrischen Stimulation (NES). Langanhaltender und intensiver Kokainkonsum führt zu einem Mangel der Botenstoffe Dopamin, Noradrenalin und Serotonin (siehe FAQs zur Wirkung von Kokain). Dies schließt die Drosselung der Neubildung dieser Botenstoffe in der Präsynapse mit ein. Die hieraus resultierenden Dysregulationen der dopaminergen, noradrenergen und serotonergen Netzwerke verantworten einen Großteil der Entzugssymptome und Langzeitfolgen bei Kokain.

Hier hat sich der Einsatz der NES als gewissermaßen „Gegenmittel“ bewährt. Während der NES-Behandlung werden Elektroden hinter den Ohren platziert. Dies kann man sich ähnlich vorstellen, wie die Elektrodenbefestigung beim EKG. Dort wird dann ein Impulsgeber angeschlossen. Er gibt einen schwachen Wechselstrom ab, der die Produktion von Botenstoffen im Gehirn anregt. Nach unserer Erfahrung steigert das nicht nur das Wohlbefinden, sondern hilft auch dabei, das Botenstoffsystem wieder zu aktivieren. Dadurch lassen sich Entzugssymptome deutlich besser aushalten.

Sie erreichen uns rund um die Uhr unter der Rufnummer: +49 2253 543 5319

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