Mit dem Trinken aufhören

Mit dem Trinken aufhören

Egal, ob als Vorsatz, Wunsch, ärztlicher Rat oder etwas anderes, „Mit dem Trinken aufhören“ formuliert ein klares Ziel: die Abstinenz. Abstinenz bedeutet das Einstellen jeglichen Alkoholkonsums beziehungsweise – positiver ausgedrückt – das Freiwerden vom Suchtmittel aus eigenem Entschluss. So definieren es auch die verschiedenen einschlägigen Fachgesellschaften in ihren Empfehlungen hinsichtlich Erfassung, Diagnose und Behandlung von alkoholbezogenen Störungen. Die Festlegung eines konkreten Zeithorizonts ist damit ausdrücklich nicht verbunden. Jedoch kristallisiert sich zum Beispiel im Rahmen eines Qualifizierten Entzugs in aller Regel eine dauerhafte Abstinenz als anzustrebendes Behandlungsziel heraus.

Erkennen des Problems

Wer an dem Punkt angelangt ist, sich mit diesem Ziel zu beschäftigen und „anzufreunden“, hat erkannt: Mein Umgang mit Alkohol ist so fortgeschritten problematisch, dass andere Optionen, wie zum Beispiel das sogenannte „kontrollierte Trinken“ oder eine Trinkmengenverringerung, nicht mehr ausreichen oder funktionieren. Fortgeschritten problematisch kann zum Beispiel heißen:

  • sich zuspitzende Schwierigkeiten, den Alltag zu bewältigen,
  • zunehmende Probleme, beruflichen Verpflichtungen nachzukommen,
  • eskalierende Konflikte in der Partnerschaft und/oder Familie,
  • bereits eingetretene gesundheitliche Schädigungen der Leber
  • und vor allem fortgesetzte Kontrollverluste.

Keine Patentrezepte

Mit dieser Erkenntnis ist schon einmal ein erster wichtiger und keineswegs selbstverständlicher Schritt getan. Denn eine fest etablierte Alkoholsucht verbaut diese Art der Selbstwahrnehmung nur allzu oft. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein: Das Erkennen des Problems ist wirklich nur ein erster Schritt, dem noch viele weitere folgen müssen. Denn der Weg in eine nachhaltige Nüchternheit ist nicht einfach und letztlich ein ebenso kurvenreicher Prozess wie die Entwicklung hin zu einer Alkoholabhängigkeit. Insofern gibt es für das Erreichen der Abstinenz auch keine Patentrezepte – erst recht schon keine schnell wirksamen und einfachen. Dafür sind die Faktoren, die auf die Ausprägung einer Alkoholsucht Einfluss nehmen, auch viel zu individuell.

Trinktagebuch führen

Dennoch gibt es durchaus bewährte Tipps und Ratschläge, wie man das Ziel, mit dem Trinken aufzuhören, in Angriff nehmen kann. Hilfreich ist es zum Beispiel, wenn man die Negativpunkte im persönlichen Umgang mit Alkohol und die daraus erwachsenen Probleme einmal genau dokumentiert. Hierfür kann ein Trinktagebuch mit der Erfassung der regelmäßig konsumierten Mengen, der Abstürze und Kontrollverluste sowie der Befindlichkeiten während des Trinkens und zum Beispiel am Morgen danach ein gutes Tool sein. Vorlagen für Trinktagebücher – auch zum Download – findet man im Internet, wie zum Beispiel unter https://www.kenn-dein-limit.de/alkohol/infomaterial/allgemeine-informationen/. Versuchen Sie ruhig auch einmal, positive Aspekte Ihres Alkoholverzehrs aufzulisten. Wenn dann auf der Positivseite nichts bis deutlich weniger als auf der Negativseite steht, ist auch dies aussagekräftig.

Abstinenztest

Sie könnten im nächsten Schritt versuchen, zum Beispiel für zwei Wochen eine alkoholfreie Zeit einzulegen und ebenso die täglichen Befindlichkeiten sowie Positives und Negatives zu protokollieren. Anschließend können Sie einen Vergleich ziehen, ob und was Ihnen die Nüchternheit für einen Gewinn an Lebensqualität erbracht hat. Zu bedenken ist dabei allerdings, dass bei einer schweren Suchtabhängigkeit das erhoffte positive Bio-Feedback durch den Alkoholverzicht von anfänglichen Entzugserscheinungen überlagert werden kann. Wenn das bei Ihnen der Fall ist oder Sie dies befürchten, sollten Sie diesen „Abstinenztest“ besser mit einem Arzt abstimmen und unter seiner Obhut vornehmen.

Der Nutzen dieser Art von Dokumentation besteht zum Beispiel in Folgendem: Sie und gegebenenfalls auch spätere fachliche Ansprechpartner können hieraus wichtige Erkenntnisse für die Bekämpfung Ihrer alkoholbedingten Probleme sowie die Aufrechterhaltung Ihrer Abstinenz gewinnen.

Scham- und Schuldgefühle beiseiteschieben

Ein weiterer Ratschlag, um einer beständigen Nüchternheit näher zu kommen, besteht darin: Überwinden Sie Ihre eventuell vorhandenen Scham- und Schuldgefühle und vertrauen Sie sich einer vertrauten beziehungsweise vertrauenswürdigen Person an. Bedenken Sie: In Deutschland geht man nach den Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) von rund 1,7 Millionen Alkoholabhängigen und fast ebenso vielen Menschen mit missbräuchlichem Konsum aus. Rund 10 Prozent der Bevölkerung pflegen zumindest einen gesundheitsgefährdenden Konsum. Alkoholbedingte Probleme sind folglich in Deutschland so weit verbreitet, dass man ganz klar festhalten kann: Sie sind mit Ihrem Alkoholproblem keineswegs allein. Wofür und wovor müssen Sie sich also dann noch schämen?

Outing verschafft Zugang zu externen Hilfen

Wenn dennoch ein Rest an Scham- und Schuldgefühl verbleibt, stellen Sie dem einmal die folgende Überlegung gegenüber: Erst durch die Überwindung von Schuldgefühlen und Scham und einem dadurch ermöglichten Outing verschaffen Sie sich selbst eine prinzipielle Zugangsoption zu externen Hilfen. Natürlich gibt es Menschen, die es auch im Alleingang schaffen, ihre Alkoholprobleme in den Griff zu bekommen. Die Rückfallgefahr ist bei einem solchem Vorgehen aber – nachweislich – sehr hoch. Auch besteht die Gefahr, dass ein heimlicher Abstinenzversuch Ihnen – vielleicht sogar unbewusst – eine Hintertür fürs Scheitern eröffnet. Denn so erfährt es ja keiner, wenn es nicht klappt. Doch Vorsicht: Dies kann zum Bumerang werden und sich im Gegenteil dann sogar suchterhaltend auswirken. Hinzu kommt, dass ein Abstinenzversuch in Eigenregie und ohne ärztliche Betreuung immer auch das Risiko birgt, dass potenziell auftretende Entzugserscheinungen zu spät erkannt und behandelt werden. Diese können sich dann durchaus als lebensbedrohlich (z. B. Delirium tremens) entpuppen.

Sehr gute Suchthilfeangebote in Deutschland

Eine positive Kehrseite hat die Verbreitung von alkoholbedingten Problemen: In Deutschland hat sich angesichts dieses Umstands ein sehr gutes Suchthilfesystem entwickelt. Es gibt eine Vielzahl an Suchtberatungsstellen und Selbsthilfegruppen, an die man sich – oft auch wohnortnah – vollkommen unverbindlich und anonym wenden kann. Natürlich kann ebenso der Hausarzt eine mögliche Anlaufstation sein. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, welche Angebote und Möglichkeiten es gibt, die einem beim Aufhören mit dem Trinken helfen können, klicken Sie bitte hier. Einen lesenswerten Einstieg in das Thema bietet darüber hinaus die BZgA-Broschüre „Alkoholfrei leben – Rat und Hilfe bei Alkoholproblemen“. Sie kann unter https://www.kenn-dein-limit.de/alkohol/infomaterial/allgemeine-informationen/ als PDF kostenfrei heruntergeladen werden.

Hilfe ist auch für Angehörige wichtig!

Übrigens: In der oben genannten BZgA-Broschüre ist ein Kapitel extra auch den Angehörigen von Abhängigen gewidmet. Dies ist aus mehreren Gründen ebenfalls sehr wichtig. Denn Alkoholprobleme betreffen meistens nicht nur diejenigen, die den Alkohol missbräuchlich oder suchtmäßig konsumieren. Oft sind es sogar zunächst einmal der Partner, ein Freund oder Kollege, die sich externen Rat einholen. Insofern ist es gut, dass es auch für diesen Personenkreis im Bereich der Suchthilfe Anlaufstellen gibt. Doch Angehörige müssen unter Umständen ebenfalls zunächst eine Schamschwelle überwinden. Wenn dies bei Ihnen der Fall ist, kann man Sie nur ermutigen, dennoch fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Denn zum einen kann dieses Vorangehen eine Vorbildfunktion ausüben und einen Nachahmungseffekt bei dem Betroffenen bewirken. Zum anderen lernen Sie so, mehr für sich zu tun und die Probleme des Hauptbetroffenen ein Stück weit loszulassen. Den mit Abstand größten Anteil der Veränderung muss ohnehin derjenige tragen, der die Kettenreaktion an Problemen mit seinem Alkoholkonsum auslöst.

Qualifizierter Entzug und nachfolgende Behandlungsoptionen

Den Kernbereich beim Bemühen, mit dem Trinken aufzuhören, deckt die Behandlung im Rahmen eines qualifizierten Entzugs ab. Hieran können sich bei Bedarf eine Entwöhnungsbehandlung und eine Nachsorge anschließen. Entzug und Entwöhnung können sowohl ambulant als auch stationär in einer auf die Indikation der Alkoholabhängigkeit spezialisierten Einrichtung erfolgen. Die Betreuung im Rahmen der Nachsorge findet allerdings überwiegend ambulant statt. Dies ergibt sich aus der Natur der Sache. Denn bei einer Nachsorge geht es vorrangig darum, die Abstinenz und neu erlernte Verhaltensmuster im Alltag zu festigen.

Die Entscheidung, welches für Sie die angemessenere Option ist, will gut überlegt sein. Sie können sie zum Beispiel in Abstimmung mit Ihrem Hausarzt, mit einer im Vorfeld aufgesuchten Suchtberatungsstelle oder auch nach einem Erstgespräch in einer entsprechenden Behandlungseinrichtung treffen. Den genauen Ablauf eines qualifizierten Entzugs und seiner anschließenden Optionen können Sie unter „Dauer eines Alkoholentzugs“ und „Langzeittherapie Alkohol“ nachlesen.

Oft gestellte Fragen

Sich einzugestehen, dass der eigene Umgang mit Alkohol fortgeschritten problematisch ist, kann sehr schwierig sein. Die folgende Liste dient als Unterstützung, den Begriff „fortgeschritten problematisch“ zu definieren:

  • zunehmende Schwierigkeiten, den Alltag zu bewältigen,
  • sich häufende Probleme, berufliche Verpflichtungen wahrzunehmen,
  • eskalierende Konflikte in der Partnerschaft und/oder Familie,
  • bereits vorhandene Gesundheitsschäden der Leber
  • fortgesetzte Kontrollverluste

Ein allgemeingültiges Patentrezept für die Alkoholabstinenz gibt es nicht – die Ausprägungen der Sucht sowie deren Ursachen sind dafür zu vielschichtig.
Das Führen eines Trinktagebuchs, das genau dokumentiert, wie die persönlichen Negativpunkte im Umgang mit Alkohol aussehen und welche Probleme daraus entstehen, bildet am Anfang eine gute Hilfestellung. Im Trinktagebuch werden regelmäßig konsumierte Mengen, Abstürze und Kontrollverluste in Kombination mit der Befindlichkeit während des Trinkens erfasst.
In einem nächsten Schritt kann der Versuch eines Abstinenztests, zum Beispiel für den Zeitraum von zwei Wochen, unternommen werden. Die tägliche Gefühlslage sowie positive und negative Punkte werden protokolliert. Ein solches Protokoll gibt Aufschluss darüber, wie die Nüchternheit sich auf die Lebensqualität auswirkt und kann auch als Basis für spätere Therapien genutzt werden.
Deutschlandweit existieren zudem zahlreiche Suchtberatungsstellen und Selbsthilfegruppen, an die man sich anonym wenden kann.

Der qualifizierte Entzug unterstützt Suchtkranke unter Einbezug therapeutischer Hilfe beim Bemühen, mit dem Trinken aufzuhören. Der Entzug kann ambulant oder stationär in einer entsprechenden Einrichtung stattfinden. Bei Bedarf schließen sich eine Entwöhnungsbehandlung sowie eine entsprechende Nachsorge an. Mehr dazu

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