Co-Abhängigkeit bei Alkoholsucht: Das Wichtigste im Überblick
- Co-Abhängigkeit ist eine psychische Belastung. Sie betrifft Angehörige wie die Sucht den Betroffenen selbst.
- Typische Co-Abhängigkeits-Verhaltensweisen, beispielsweise Vertuschung oder Übernahme von Pflichten, fördern die Sucht unbeabsichtigt.
- Co-Abhängigkeit bei Alkoholsucht entwickelt sich schrittweise in Phasen – von aufopfernder Fürsorge bis hin zu Erschöpfung und sozialem Rückzug.
- Grenzen setzen, eigene Bedürfnisse wahrnehmen und professionelle Unterstützung suchen sind Schritte zur Selbsthilfe.
- Eine nachhaltige Veränderung für den von Sucht Betroffenen setzt seinen eigenen Veränderungswillen voraus. Angehörige Personen können nur begleiten, nicht erzwingen.
Wie äußert sich eine Co-Abhängigkeit bei Alkohol? Die wichtigsten Symptome
Co-Abhängigkeit bei Alkoholsucht zeigt sich selten auf einen Schlag. Die Anzeichen wachsen leise in den Alltag hinein – und Betroffene merken erst spät, dass sie in einer eigenen Form der Abhängigkeit stecken. Erkennen Sie sich in den folgenden Verhaltensweisen oder Gefühlen wieder, sollten Sie dies daher ernst nehmen.
- Sie entschuldigen das Trinkverhalten des Betroffenen gegenüber Familie, Freunden oder dem Arbeitgeber.
- Sie übernehmen Aufgaben und Pflichten, die eigentlich in der Verantwortung des anderen liegen.
- Sie helfen, Alkohol zu besorgen oder im Haushalt zu lagern. Oder Sie schauen bewusst weg, wenn dies geschieht.
- Ihre eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Interessen treten immer mehr in den Hintergrund.
- Sie fühlen sich verantwortlich für das Wohlbefinden des anderen und schuldig, wenn es ihm schlechter geht.
- Soziale Kontakte werden seltener, um die Situation nach außen zu verbergen.
- Sie passen Ihr eigenes Verhalten und Ihren Tagesrhythmus dem des Abhängigen an.
- Schlaf- und Konzentrationsprobleme, Gereiztheit oder depressive Verstimmungen nehmen zu.
- Sie hegen die Hoffnung, dass sich alles von alleine regelt und verschließen die Augen vor dem Ausmaß des Problems.
Ich bin co-abhängig! Was soll ich tun?
Sie sind nicht verantwortlich für die Sucht eines anderen Menschen. Aber Sie dürfen und sollen für sich selbst sorgen.
Sehen Sie diesen Schritt niemals als Verrat oder Schwäche. Er ist notwendig, um Ihre eigene Gesundheit aufrechtzuerhalten – und meistens auch, um der von Alkoholsucht betroffenen Person wirklich zu helfen.
Überlegen Sie, welches Verhalten Sie bereit sind zu akzeptieren und wo Ihre persönliche rote Linie liegt. Grenzen schützen Sie und geben der Beziehung gleichzeitig einen Rahmen. Es ist Ihr gutes Recht, Nein zu sagen.
Nehmen Sie dem Betroffenen nicht ab, was in den Bereich seiner Eigenverantwortung fällt. Schützen Sie ihn nicht vor den natürlichen Konsequenzen seines Handelns – denn genau diese können ein Anstoß zur Veränderung sein.
Pflegen Sie Hobbys, Freundschaften und Aktivitäten. Tun Sie bewusst Dinge, die Ihnen Freude bereiten.
Die Sucht Ihres Angehörigen ist nicht Ihr Versagen. Machen Sie sich immer wieder bewusst: Sie sind nicht die Ursache des Problems und auch nicht die Lösung. Diese innere Überzeugung zu entwickeln braucht Zeit.
Schaffen Sie gezielt Abstand, wenn Sie merken, dass Sie an Ihre Grenzen stoßen. Auszeiten – auch kleine – sind eine notwendige Erholung und erlauben Ihnen, langfristig stabil zu bleiben.
Die obengenannten Schritte lassen sich leichter gehen, wenn Sie nicht auf sich alleine gestellt sind. Eine Beratungsstelle, eine Selbsthilfegruppe oder ein Therapeut können Ihnen helfen, Muster zu erkennen, loszulassen und gestärkt aus dieser Situation hervorzugehen.
Ist der betroffene Mensch bereit, sich aus seiner Sucht zu lösen – sind wir da!
Häufig gestellte Fragen für Angehörige – Co-Abhängigkeit bei Alkoholsucht
Im Anschluss finden Sie die häufigsten Fragen und Antworten rund um das Thema Co-Abhängigkeit bei Alkoholsucht.
Weitere Informationen erhalten Sie in unserem Alkohol-Suchthandbuch sowie auf unserer Seite zum Alkoholentzug. Sollte dennoch etwas unklar bleiben, können Sie uns auch gerne direkt kontaktieren.
Co-Abhängigkeit bei Alkoholsucht bezeichnet ein Muster aus Verhaltensweisen, Gefühlen und Denkstrukturen, das bei nahestehenden Personen eines alkoholkranken Menschen entsteht. Eine einheitliche medizinische Definition gibt es nicht. Bei einer Co-Abhängigkeit stellen Angehörige die eigenen Bedürfnisse vollständig zurück, übernehmen Verantwortung für das Verhalten des Süchtigen und versuchen, die Sucht zu kontrollieren oder zu verbergen – häufig bis zur emotionalen und körperlichen Erschöpfung.
Ein erstes Anzeichen ist, dass das Leben des anderen Ihr eigenes dominiert und Sie kaum noch wissen, was Sie selbst eigentlich brauchen oder wollen. Weitere Hinweise: Sie schützen den Betroffenen vor den Konsequenzen seines Trinkens, fühlen sich verantwortlich für sein Wohlbefinden und bringen immer neue Energie für Kontrolle oder Überzeugung auf. Wenn Sie sich in mehreren der beschriebenen Symptome wiedererkennen, ist professionelle Beratung ein wichtiger Schritt.
Im Falle der Co-Abhängigkeit bei Alkohol werden häufig drei Phasen unterschieden. In der fürsorglichen Phase dominiert der Helferimpuls. In der kontrollierenden Phase wächst die Erschöpfung: Angehörige versuchen aktiv, das Trinkverhalten zu steuern, was in der Regel ohne Erfolg bleibt. In der resignierenden Phase sind Hoffnung und Energie aufgebraucht. Es entstehen auf der einen Seite emotionale Erschöpfung und psychosomatische Beschwerden, auf der anderen Seite die Bereitschaft, sich endlich selbst Hilfe zu suchen.
Erste Anlaufstellen sind die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (dhs.de) mit ihrem Suchthilfeverzeichnis, die Al-Anon Familiengruppen (al-anon.de) als spezialisierte Selbsthilfe für Angehörige sowie CoDA Deutschland (coda-deutschland.de) für Menschen mit co-abhängigen Mustern. Auch Wohlfahrtsverbände wie Caritas, AWO oder das DRK bieten kostenfreie Beratung an.
Das Wichtigste vorab: Sie können den Betroffenen nicht zur Veränderung zwingen. Jeder Mensch muss den Schritt aus der Sucht aus eigenem Willen und eigener Motivation heraus gehen. Was Sie jedoch tun können, ist, ehrlich und ohne Vorwürfe das Gespräch zu suchen, Informationen über Hilfsangebote bereitzustellen und zu signalisieren, dass Sie da sind. Die LIFESPRING-Privatklinik steht für eine qualifizierte Entzugsbehandlung bereit, sobald sich der Betroffene aus eigenem Antrieb meldet.