Das Wichtigste zur Medikamentenabhängigkeit in der Übersicht
- Die ICD-10 spricht von einer Medikamentenabhängigkeit, wenn mindestens 3 von 6 Kriterien (wie Verlangen nach der Substanz, Kontrollverlust oder Toleranzentwicklung) innerhalb von 12 Monaten zutreffen.
- Das zentrale Nervensystem passt sich an die Wirkstoffe an, sodass ein Absetzen Entzugssymptome auslösen kann.
- Verschiedene Substanzgruppen bergen ein sehr hohes (Benzodiazepine, Z-Drugs, Opiate/Opioide), hohes (Stimulanzien) oder gewöhnungsbedingtes (Rhinologika/Nasensprays) Risiko für Medikamentenabhängigkeit.
- Eine Medikamentenabhängigkeit kann durch Leistungsdruck, fehlende Aufklärung sowie wirkstoffspezifische Mechanismen begünstigt werden.
- Das Absetzen gewisser Medikamente kann physische und psychische Symptome wie Zittern, Krämpfe, Übelkeit oder Ängste auslösen. Von einem kalten Entzug wird daher abgeraten.
Was ist eine Medikamentenabhängigkeit?
Medizinische Einordnung (ICD-10)
Die Weltgesundheitsorganisation unterscheidet in ihrem Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen zwischen einem schädlichen Gebrauch (Missbrauch) und einer Medikamentenabhängigkeit. Liegt letztere vor, ordnet das ICD-10 Substanzen unter Kategorien ein, beispielsweise F11: Störungen durch Opiate oder F13: Störungen durch Hypnotika und Sedativa (Benzodiazepine, Z-Drugs, Barbiturate).
Körperliche Wirkung und Prozess
Viele suchterzeugende Wirkstoffe greifen in das zentrale Nervensystem und den Gehirnstoffwechsel ein. Bei längerer Anwendung passt sich der Körper an die Substanz an und kann nach dem Absetzen des Medikaments mit Entzugssymptomen reagieren – auch im Bereich der Niedrigdosisabhängigkeit, bei der Betroffene die ärztlich verordnete Dosis nie selbstständig steigern.
Verschiedene Substanzen und ihr Medikamentenabhängigkeitspotenzial
| Medikamentengruppe | Beispiele | Suchtpotenzial |
|---|---|---|
| Benzodiazepine und Z-Drugs | Diazepam, Lorazepam, Zolpidem, Zopiclon |
sehr hoch |
| Opiate und Opioide | Tramadol, Tilidin, Fentanyl, Oxycodon, Codein |
sehr hoch, vor allem psychisch |
| Stimulanzien / Amphetamine | Methylphenidat, Ephedrin | hoch, starke mentale Gewöhnung |
| Rhinologika (Nasensprays) | Xylometazolin, Oxymetazolin | Gewöhnungseffekt |
Wie entsteht eine Medikamentenabhängigkeit?
Andreas Gholmié
Leitender Arzt
Medikamente verfolgen das Ziel, körperliche oder psychische Beschwerden wie Schmerzen, Schlafstörungen, Unruhe oder Ängste zu beseitigen. Wird aus dem sinngemäßen Gebrauch eine Medikamentenabhängigkeit, kann dies unterschiedliche Ursachen haben.
- Persönliche und gesellschaftliche Faktoren: Leistungsdruck im Beruf, Überforderung in sozialen Beziehungen oder Schicksalsschläge verleiten zu einer raschen „Tablettenlösung“. Zudem können gesellschaftliche Erfolgserwartungen den Griff zu aufputschenden Substanzen oder zu Appetitzüglern begünstigen.
- Fehlende Aufklärung: Zeitmangel in Praxen und unübersichtliche Medikamentenmärkte können dazu beitragen, dass Patienten die Langzeiteinnahme eines Medikaments nicht rechtzeitig abbrechen.
- Wirkstoffspezifische Mechanismen:
- Benzodiazepine / Z-Drugs: Wirkungsverlust tritt ein. Betroffene nehmen das Medikament weiter ein, um Entzugssymptomen wie Rebound-Schlafstörungen zu entgehen.
- Opioide: Ihre dämpfende und leicht stimmungsaufhellende Komponente kann bewirken, dass die Einnahme über den eigentlichen Heilungsverlauf hinausgeht.
- Stimulanzien (Amphetamine): Werden zur Zügelung des Appetits oder als Wachmacher genutzt und können bei wiederholter Einnahme das psychische Verlangen verstärken.
Symptome bei Medikamentenabhängigkeit
Körperliche und psychische Beschwerden bei Medikamentenabhängigkeit variieren von Substanz zu Substanz. Von einem eigenmächtigen, unkontrollierten „kalten Entzug“ raten Experten dringend ab! Je nach Wirkstoff – insbesondere im Falle von Benzodiazepinen und Opioiden – kann ein abruptes Absetzen gesundheitliche Risiken bergen.
Zu den klassischen Symptomen einer Medikamentenabhängigkeit gehören unter anderem:
- Schwitzen, Zittern und innere Unruhe
- Muskelkrämpfe und im schlimmsten Fall Krampfanfälle (substanzabhängig)
- Starke Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen
- Schlafstörungen, Angstzustände und depressive Verstimmungen
Die LIFESPRING-Privatklinik ist spezialisiert auf die Behandlung von Medikamentenabhängigkeit
Qualifizierte Entzugsbehandlung bei Medikamentenabhängigkeit
Qualifizierte Entzugsbehandlung bei LIFESPRING
(Je nach Medikamentenabhängigkeit kann die qualifizierte Entzugsbehandlung von dem Schaubild deutlich abweichen. Näheres besprechen Sie mit unseren behandelnden Ärzten in einem Vorgespräch oder bei Aufnahme.)
In der LIFESPRING-Privatklinik fokussieren wir uns auf die qualifizierte Entzugsbehandlung von Medikamenten wie Benzodiazepinen sowie anderen Stoffen. Den körperlichen Entzug gestalten wir für Sie möglichst schonend – zum Beispiel durch Neuro-Elektrische Stimulation, mit der wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Gleichzeitig arbeiten Sie in einem psychotherapeutischen Programm die seelischen Ursachen Ihrer Medikamentenabhängigkeit auf und entwickeln persönliche Strategien für ein nachhaltig abstinentes Leben.
Die qualifizierte Entzugsbehandlung in der LIFESPRING-Privatklinik beginnt mit der medikamentös gestützten, körperlichen Entgiftung. Bereits ab dem ersten Tag werden Sie zudem in ein intensives psychotherapeutisches Programm eingebunden, um die seelischen Ursachen Ihrer Medikamentenabhängigkeit möglichst tiefgreifend zu erkennen und beginnend zu behandeln.
In Einzel- und Gruppentherapien sowie durch vielfältige therapeutische Methoden wie Drama-, Tanz-, Kunst- und Bewegungstherapie erhalten Sie die Möglichkeit, Ihre Abstinenz von Medikamenten langfristig zu stabilisieren. Ergänzt wird das Programm durch sozio- und milieutherapeutische Interventionen, die helfen, hinderliche Verhaltensmuster zu erkennen und neue Lebensstrategien zu entwickeln. Auch achtsamkeitsfördernde Ansätze wie Yoga oder Meditation sowie emotionsaktivierende Formate wie die Dramatherapie unterstützen Sie dabei, wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen.
Für eine qualifizierte Entzugsbehandlung im stationären Setting, einschließlich der körperlichen Entgiftung, empfehlen wir eine Behandlungsdauer von mindestens 28 Tagen. Diese Empfehlung orientiert sich an der S3-Leitlinie, die von der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V.) herausgegeben wird – dem Dachverband von über 180 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Je nach konsumierter Substanz kann sich diese Dauer jedoch verlängern.
Wir geleiten Sie auf mehreren Ebenen zeitgleich in ein suchtfreies Leben. Bereits während der Entgiftung setzen wir den Startpunkt für die psychotherapeutische Behandlung, welche essenziell für die dauerhafte Stabilisierung und Abstinenz ist. Wir analysieren zunächst und arbeiten mit Ihnen an vielen relevanten Themen, die Sie für die Sucht haben anfällig werden lassen.
Unsere Suchtklinik richtet sich an Selbstzahler und Privatversicherte. Eine Kostenübernahme der qualifizierten Entzugsbehandlung durch Ihre private Krankenversicherung oder Beihilfestelle ist in vielen Fällen möglich – abhängig von Ihrem Tarif. Unser Team unterstützt Sie gerne bei der Klärung der Formalitäten, damit Sie sich ganz auf Ihren Neubeginn konzentrieren können.
Nach dem Entzug ist vor dem neuen Leben. Während Ihrer Therapie bespricht unser Sozialdienst mit Ihnen passende Nachsorgeangebote in der Nähe Ihres Wohnorts – wie Psychiater, Psychologen oder Selbsthilfegruppen. So stärken Sie die Basis für einen stabilen Alltag. Haben Sie keine Angst: Sie verlassen unsere Klinik gut vorbereitet und mit dem nötigen Rüstzeug. Und bei Bedarf sind wir auch länger für Sie da.
Häufig gestellte Fragen zur Medikamentenabhängigkeit
Sie haben noch Fragen oder Unsicherheiten in Bezug auf unsere Suchtklinik und die Medikamentenabhängigkeit? In den folgenden FAQs haben wir weitere Fakten für Sie zusammengefasst. Außerdem finden Sie auf unserer Seite zum Medikamentenentzug alles Wichtige zur qualifizierten Entzugsbehandlung in der LIFESPRING-Privatklinik. Zögern Sie bitte nicht, uns auch persönlich zu kontaktieren.
Wir sind immer für Sie da. Sie erreichen uns unter der Telefonnummer +49 2253 543 5319.
Eine Medikamentenabhängigkeit entwickelt sich in der Regel schleichend. Das Gehirn gewöhnt sich an die regelmäßige Zufuhr der Wirkstoffe (Toleranzbildung); das Absetzen kann wiederum negative Zustände auslösen. Patienten nehmen das Medikament als Folge weiter ein – ein Teufelskreis entsteht.
Ein schädlicher Gebrauch kündigt sich zum Beispiel durch folgende Signale an:
- Einnahme über den verordneten Zeitabschnitt hinaus oder eigenmächtige Dosissteigerung.
- Unstillbares Verlangen nach dem Mittel.
- Erfolglose Versuche, die Dosis zu reduzieren oder das Präparat abzusetzen.
- Einnahme zur Bewältigung des Alltags oder emotional belastender Situationen.
- Vernachlässigung von Pflichten, Hobbys und Kontakten.
Rezeptpflichtige Schlaf- und Beruhigungsmittel (Benzodiazepine wie Diazepam, Lorazepam sowie Z-Drugs wie Zolpidem), Opioid-Schmerzmittel, Stimulanzien (Amphetamine/ADHS-Medikamente) sowie rezeptfreie Schmerzmittel und abschwellende Nasensprays werden häufig missbraucht und können je nach Substanz zu einer Medikamentenabhängigkeit führen.
Professionelle Unterstützung bieten spezialisierte Suchtkliniken für Medikamentenabhängigkeit, qualifizierte Entzugsstationen in Krankenhäusern sowie lokale Suchtberatungsstellen. Auch die Praxis Ihrer Hausärztin oder Ihres Hausarztes ist eine erste Anlaufstelle, um eine Weitervermittlung in ein geeignetes Behandlungszentrum einzuleiten.
In der LIFESPRING-Privatklinik haben wir uns auf die Behandlung stoffgebundener Süchte spezialisiert und begleiten Sie auf Ihrem Weg aus der Medikamentenabhängigkeit. Sprechen Sie uns gerne an.