Das Wichtigste zu Opioid-Nebenwirkungen im Überblick
- Was sind typische Nebenwirkungen von Opioiden? Am häufigsten kommt es zu hartnäckiger Verstopfung (Obstipation), Übelkeit, Benommenheit, Mundtrockenheit und starkem Schwitzen.
- Welchen Einfluss haben Opioide auf den Blutdruck? Da Opioide die Blutgefäße erweitern, können sie den Blutdruck senken und Schwindel beim Aufstehen auslösen.
- Welche Nebenwirkungen haben Opioide auf die Psyche? Bei längerem Konsum kann es zu emotionaler Abstumpfung, Depressionen, Antriebslosigkeit und psychischer Abhängigkeit kommen.
- Was unterscheidet starke Opioide in ihren Nebenwirkungen? Starke Opioide (Stufe III des WHO-Stufenschemas wie Fentanyl oder Morphin) bergen ein erhöhtes Risiko für eine lebensgefährliche Atemdepression und eine schnelle Toleranzentwicklung.
- Wie schädlich sind Opioide langfristig für den Körper? Sie können zu Libidoverlust oder Zyklusstörungen führen, das Immunsystem schwächen und die Schmerzwahrnehmung dauerhaft verändern.
- Was tun bei Sucht nach Opioiden? Ein Entzug im Alleingang ist aufgrund schwerer Entzugssymptome gefährlich. Die LIFESPRING-Privatklinik bietet eine sichere Entgiftung in Kombination mit einer parallel laufenden Psychotherapie.
Die häufigsten Nebenwirkungen von Opioiden
Im Gegensatz zu klassischen Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Aspirin blockieren Opioide den Schmerz direkt an den Opioid-Rezeptoren im Gehirn und Rückenmark. Da diese Rezeptoren auch im Magen-Darm-Trakt und anderen Organen vorkommen, geht die Medikamenteneinnahme mit Begleiterscheinungen einher. Die folgende Tabelle stellt die Nebenwirkungen von Opioiden nach Organsystem und Häufigkeit dar.
| Organsystem / Bereich | Häufige Nebenwirkungen der Opioide (Anfangsphase und Langzeit) | Seltene, schwere Nebenwirkungen der Opioide |
|---|---|---|
| Magen-Darm-Trakt | Sehr häufig chronische Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit | Darmverschluss |
| Nervensystem und Psyche | Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel, Mundtrockenheit, verengte Pupillen | Halluzinationen, Verwirrtheit, Krampfanfälle |
| Herz-Kreislauf-System | Blutdruckabfall, verlangsamter Herzschlag | Herz-Kreislauf-Kollaps |
| Atemwege | Leichte Dämpfung des Atemantriebs, Reizhusten-Linderung | Lebensgefährliche Atemdepression (Atemstillstand) |
| Haut und Gewebe | Starker Juckreiz, vermehrtes Schwitzen | Allergische Schockreaktionen |
Spezifische Nebenwirkungen von Opioiden im Fokus
Opioide: Nebenwirkungen auf den Blutdruck
Unter der Einnahme von Opioiden bemerken viele Patienten eine zunehmende Kreislaufinstabilität. Da die Wirkstoffe die Blutgefäße erweitern, versackt das Blut leichter in den Beinen und führt zu einem plötzlichen Blutdruckabfall. Dieser Effekt zeigt sich insbesondere beim schnellen Aufstehen, und zwar durch Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen oder kurze Ohnmachtsanfälle.
Opioide: Nebenwirkungen auf die Psyche
Zu Beginn wirken Opioide euphorisierend und angstlösend. Werden sie jedoch über längere Zeit eingenommen, leidet die Psyche darunter. Betroffene stumpfen emotional ab und fallen aufgrund des Gewöhnungseffekts in seelische Löcher oder Depressionen. Opioid-Nebenwirkungen wie geistige Erschöpfung und Konzentrationsprobleme belasten den Alltag zusätzlich.
Starke Opioide und ihre Nebenwirkungen
In der Medizin werden Opioide anhand ihrer Wirkungsstärke unterteilt. Starke Opioide wie Fentanyl oder Oxycodon kommen bei schweren akuten oder chronischen Schmerzen zum Einsatz und unterliegen strengen Rezeptauflagen. Davon abgegrenzt werden sogenannte schwächere Opioide wie Tilidin oder Tramadol. Die Praxis zeigt jedoch: Unabhängig von ihrer Einstufung bergen alle diese Opioide langfristige Nebenwirkungen, Risiken sowie ein nicht zu unterschätzendes bis extrem hohes Suchtpotenzial.
Oxycodon (z. B. Oxygesic®, Targin®)
Ein sehr häufig verordnetes, starkes Schmerzmittel bei chronischen Schmerzen (wie bei Krebserkrankungen oder schweren Gelenkschäden).
Nebenwirkungen und Risiken: Oxycodon hat ein hohes psychisches und körperliches Abhängigkeitspotenzial. Es erzeugt bei unkontrollierter Einnahme schnell ein starkes Hochgefühl (Euphorie), führt zu einer Toleranzentwicklung und verursacht beim Absetzen Entzugssymptome wie starke Gliederschmerzen, Zittern, heftige Magen-Darm-Krämpfe mit Erbrechen und Durchfall, Schwitzen im Wechsel mit Schüttelfrost sowie Angstzustände.
Fentanyl
Ein Schmerzmittel, das etwa 100-mal potenter als Morphin ist. Im Alltag wird es chronischen Schmerzpatienten meistens in Form von Pflastern auf die Haut geklebt.
Nebenwirkungen und Risiken: Aufgrund der Wirkstärke ist die Dosierung heikel. Wenn der Körper den Wirkstoff ungeplant zu schnell aufnimmt – zum Beispiel durch Fieber, heiße Bäder oder Saunagänge, die die Durchblutung der Haut anregen –, droht eine akute, lebensgefährliche Überdosierung, die zu einer Atemdepression (Atemstillstand) führen kann.
Morphin
Es wird aus dem Schlafmohn gewonnen und kommt vor allem bei schwersten akuten Schmerzen (z. B. nach großen Operationen, bei Unfällen oder Herzinfarkten) sowie in der Palliativmedizin zum Einsatz.
Nebenwirkungen und Risiken:
Neben der schnellen Suchtentwicklung verursacht Morphin besonders in der Anfangsphase der Einnahme Übelkeit und heftiges Erbrechen, da es das Brechzentrum im Gehirn reizt. Zudem führt es fast immer zu einer dauerhaften Verstopfung, an die sich der Darm – anders als bei anderen Nebenwirkungen – niemals gewöhnt.
Opioidsucht: Wie schädlich sind Opioide für den Körper?
Werden Opioide über Monate oder Jahre eingenommen, entsteht in vielen Fällen eine Sucht nach dem jeweiligen Medikament. Das Gehirn gewöhnt sich an die künstliche Zufuhr, die Toleranz steigt und das Auslassen einer Dosis provoziert Entzugssymptome. Die Opioidsucht ist eine enorme Belastung für den Organismus und schädigt wichtige Körperfunktionen.
- Hormonstörungen
Opioide bringen die Hormonsteuerung im Gehirn durcheinander. Bei Männern führt das zu einem Mangel an Testosteron, was das sexuelle Verlangen raubt und Erektionsprobleme verursachen kann. Bei Frauen gerät der Monatszyklus aus dem Takt. Die Periode kann unregelmäßig werden, ganz ausbleiben und im schlimmsten Fall Unfruchtbarkeit hervorrufen. - Mehr Schmerz durch Tabletten
Bei einer Dauereinnahme von Opioiden verändert sich das Nervensystem dahingehend, dass das Gehirn Schmerzreize intensiver wahrnimmt. Das Tückische: Viele Betroffene glauben, ihre Grunderkrankung habe sich verschlimmert, und erhöhen die Dosis – ein Teufelskreis, der den Schmerz und eine allfällige Opioidsucht weiter anfeuert. - Geschwächtes Immunsystem
Menschen, die über lange Zeit Opioide einnehmen, werden anfälliger für Erkältungen, Grippewellen oder Infektionen. Selbst kleine Wunden können mit der Zeit nur noch sehr langsam und schlecht abheilen.
Überwinden Sie Ihre Opioidsucht. Wir sind für Sie da!
Häufig gestellte Fragen zu Nebenwirkungen von Opioiden
Um Ihnen noch mehr Klarheit zu verschaffen, haben wir anschließend die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Nebenwirkungen von Opioiden sowie den Umgang mit diesen Medikamenten zusammengefasst.
Detaillierte Informationen zu unserem Therapieangebot bei Opioidsucht finden Sie auf unserer Seite zum Opiatentzug. Gerne sind wir auch persönlich unter +49 2253 543 5319 für Sie da.
Gerade zu Beginn der Therapie oder nach einer Dosiserhöhung ist eine ausgeprägte Müdigkeit und Benommenheit normal, da das Medikament in das zentrale Nervensystem eingreift. Nehmen Sie die Medikamente immer strikt nach ärztlichem Plan. Aber Vorsicht vor dem Suchtrisiko: Lässt die Müdigkeit nach einigen Wochen nicht nach, versuchen viele Betroffene, die Dosis eigenmächtig zu verändern oder das Medikament abrupt abzusetzen. Das ist gefährlich, da es schwere Entzugssymptome auslösen und die Abhängigkeit weiter fördern könnte.
Im Gegensatz zu anderen Nebenwirkungen von Opioiden gewöhnt sich der Körper nie an den Effekt auf den Darm. Opioide hemmen die Darmbewegung und entziehen dem Stuhl Wasser. Eine ballaststoffreiche Ernährung reicht in der Regel nicht aus, weshalb Schmerzpatienten fast immer begleitend ein Abführmittel einnehmen müssen.
Langfristig führt die medizinische Symptomkontrolle zu einer sogenannten „Polypharmazie“. Patienten nehmen Medikamente ein, um die Nebenwirkungen anderer Medikamente wie Opioide zu bekämpfen. Das belastet Leber und Niere zusätzlich und löst neue Wechselwirkungen aus. Ein bevorzugter Weg ist daher das kontrollierte Ausschleichen des Opioids und eine qualifizierte Entzugsbehandlung, sollte eine Abhängigkeit vorliegen.
Reine Opioide sind für Leber und Nieren im Vergleich zu NSAR (wie Ibuprofen oder Diclofenac) erstaunlich ungiftig und verursachen kein Nierenversagen. Ihre Hauptschädlichkeit liegt in der Veränderung der Gehirnchemie, des Hormonhaushalts und dem hohen psychischen sowie körperlichen Suchtpotenzial.
Unsere Klinik richtet sich an Privatversicherte und Selbstzahler. In den meisten Fällen erstatten private Krankenversicherungen oder Beihilfestellen die Kosten für eine qualifizierte Entzugsbehandlung vollständig oder zu großen Teilen (je nach Ihrem persönlichen Tarif).