Kennenlernen zwischen Grillgut und Salatbüffet

Kennenlernen zwischen Grillgut und Salatbüffet

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Blogger Frank berichtet über seine Eindrücke beim Grillfest anlässlich des zweijährigen Bestehens der privaten Sucht- und Entzugsklinik Lifespring in Bad Münstereifel am 31. August 2018.

Grillen und Feiern geht auch ohne Alkohol

Es ist Freitag, der 31. August 2018. Die oberhalb von Bad Münstereifel malerisch gelegene private Suchtklinik Lifespring hat zum Grillfest geladen. Willkommener Anlass zum Feiern ist das zweijährige Bestehen. Unter den Gästen sind aktuelle und ehemalige Patienten, fast alle Mitarbeiter, Therapeuten und Ärzte sowie natürlich Dr. Christian Schneider, der Gründer und Geschäftsführer von Lifespring. Ab 13.00 habe ich als Blogger und Neuer des Teams bei verführerisch duftendem Grillgut sowie einem deftigen Salatbüffet eine willkommene Gelegenheit zum ungezwungenen gegenseitigen Kennenlernen.

Das Grillen und Feiern auch ohne Alkohol geht und sogar noch Spaß machen – dies ist eine Erfahrung, die ich gerne mit nach Hause nehme. Denn eigentlich hatte ich meinen Besuch viel kürzer eingeplant. Aber es ergeben sich auf der weitläufigen Terrasse bei herrlichem Sommerwetter so viele spannende und inspirierende Gespräche, dass ich mich schlicht und ergreifend nicht lösen kann. So ist es bereits 16.00, als ich endlich dazu komme, Sjeng nach seiner Aufgabe bei Lifespring zu fragen:

Über „Regiewechsel“ und suchtbefreite „Hauptrollen“

„Stell Dir vor, Du betrittst einen Raum und findest Dich unvermittelt auf einer Bühne wieder. Das Drehbuch, welches Du schreiben sollst, handelt von Deinem Leben – Deinem neuen Leben. Selbstverständlich führst Du in diesem neuen Dasein auch Regie. Denn wer sollte es sonst tun? Etwa weiterhin Deine Sucht? Als Requisiteur besorgst Du für diesen angestrebten „Regiewechsel“ die entsprechende Ausstattung. Und schließlich spielst Du, sonst würde ja alles keinen Sinn machen, in diesem neuen Stück auch die – nun suchtbefreite – Hauptrolle.“

In etwa so erklärt mir Sjeng, was er mit seinen Patienten macht. Sjeng ist „Dramatherapeut“. Und nicht Chinese, wie der Name vielleicht zunächst vermuten lässt. Er kommt stattdessen aus den Niederlanden. Ich lerne: Sein Name wird wie das kölsche „Schäng“ ausgesprochen und geht ebenso wie sein domstädtischer Namensvetter auf das französische „Jean“ zurück. Ein Sinnbild dafür, wie eng wir in Rheinland und Eifel mit unseren europäischen Nachbarn verbunden sind: in der Namensgebung und offensichtlich wohl auch in den Problemen der Sucht. Nur dass in den Niederlanden das Therapiespektrum breiter ist, und damit auch das der Therapeuten.

Der Therapierfolg ist ausschlaggebend für die Aufenthaltsdauer

Dies erklärt wohl auch, warum sich im Kollegenkreis weitere Landsleute von Sjeng finden. Bart zum Beispiel. Er arbeitet im Entzugsangebot von Lifespring als „Suchttherapeut“. Den Zugang zu dieser beruflichen Qualifikation hat er über seine eigene „Entzugskarriere“ gefunden. Er weiß also, wovon er redet, wenn er sagt: „Es bringt überhaupt nichts, nur den suchtauslösenden Stoff wegzulassen. Man muss bereit sein, das eigene Leben zu ändern.“

Daneben steht Uwe (Anm. Redaktion: Alle Patientennamen wurden aus Gründen der Diskretion geändert). Er ist als „Ehemaliger“ hier und hat vor rund einem Jahr einen qualifizierten Alkoholentzug bei Lifespring absolviert. Bis dato erfolgreich, wie er selbst berichtet. So erfolgreich sogar, dass er die Suchtklinik seinerzeit vor den obligatorischen 21 Tagen verlassen konnte. Er bewertet dies im Rückblick als besonders vertrauensfördernd. Denn er habe dadurch den Eindruck gewonnen, dass bei Lifespring trotz des Konzepts der Privatklinik nicht der Verdienst, sondern der Therapieerfolg ausschlaggebend für die Aufenthaltsdauer sei. Für Uwe ist dies wichtig. Denn er ist trotz seiner Fortschritte auf dem Teppich geblieben und sich des latenten Risikos eines Rückfalls sehr wohl bewusst. Eins sei künftig im Fall des Falles aber anders: Er wisse nun, wie Entzug gehe, und habe mit Lifespring hierfür eine Anlaufstation. Dies gebe ihm ein Gefühl der Sicherheit.

Großes Lob vom „Chef“

Das Thema „Rückfälle“ beschäftigt auch Pflegekräfte, Therapeuten und Ärzte. Dies klingt in den Gesprächen immer wieder an. Denn selbstverständlich ist genau das eine der zentralen Herausforderungen, der sich alle hier bewusst sind. Entsprechend dankbar wird das Lob von Gründer und Geschäftsführer Christian ans komplette Team aufgenommen. Beim kurzfristig anberaumten Geburtstagsmeeting im Aufenthaltsraum würdigt dieser durchaus smart rüberkommende „Managertyp“ mit ergreifenden Worten, in welchem Maß jeder der Mitarbeiter in den zurückliegenden zwei Jahren über sich hinausgewachsen sei. Tränen der Rührung in vielen Augen und eine ebenso zu Herzen gehende Erwiderung der Wertschätzung von Seiten der Mitarbeiter.

Ich muss gestehen: Ich bin beeindruckt. Geschenke werden überreicht. Eines davon stammt von Anne, eine ehemalige Patientin. Sie hat mit liebenswert karikaturhaften Figuren die Belegschaft nachgebildet. Aus der Glückwunschkarte wird vorgelesen: „Vielleicht hätte ich meinen Entzug auch anderswo bewältigt, vielleicht, aber mit Sicherheit nirgendwo begleitet von so viel Empathie!“

Manchmal einfach nur die Hand halten

In ähnliche Richtung weist ein Erlebnis, von dem mir Karin, ebenfalls eine „Ehemalige“, berichtet. Sie erzählt von einer Begebenheit während Ihres schon einige Monate zurückliegenden Aufenthalts: „Eines nachts erlitt eine Mitpatientin eine Panikattacke. Die per Notruf alarmierte Nachtschwester hat ihr die Hand gehalten und gut zugeredet – solange, bis die Patientin sich wieder beruhigt hatte.“

Diese Art der Empathie teilt sich auch mir deutlich mit. In allen Gesprächen zwischen und mit der Belegschaft beobachte ich ein ausgeprägtes Maß an Zugewandtheit. Als Großstädter erlebt man so etwas nur noch selten. Vielleicht fällt es mir auch deshalb so positiv auf. Vielleicht sollte ich diesen Vergleich aber auch nicht zu stark bewerten. Denn von Gerald, dem Achtsamkeitstherapeuten bei Lifespring, erfahre ich: Wir müssen lernen, unsere Gedanken, Gefühle und Empfindungen wahrzunehmen – und zwar ohne diese immer direkt zu bewerten. Denn sonst können negativ bewertete Wahrnehmungen bei dafür empfänglichen Menschen schnell wieder in den Suchtkreislauf führen. Statt Missempfindungen immer wieder aufs Neue mit Suchtstoffen zu betäuben, müssen wir verinnerlichen, dass unangenehme Befindlichkeiten vorübergehen.

Du musst rausgehen und es selbst erschaffen

Aus eigener Erfahrung weiß ich nur zu gut: Dies trifft genauso auf die zunächst als wohltuend empfundenen Rauschzustände zu. Denn auch sie sind vorübergehend. Und damit sind wir genau bei dem Teufelskreis, denn es zu durchbrechen gilt. Lifespring kann Ihnen hierfür die geeigneten Angebote, Instrumente und Hilfestellungen zur Verfügung stellen. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Hauptarbeit nachhaltiger Abstinenz bei Ihnen selbst liegt. Vor ein paar Tagen bin ich im Netz auf folgendes Zitat von Joel Brown gestoßen: „Du kannst Dir nicht einfach ein besseres Leben wünschen. Du musst rausgehen und es selbst erschaffen.“ An diesem Nachmittag bin ich auf einige Menschen gestoßen, denen genau das mithilfe der privaten Sucht- und Entzugsklinik Lifespring gelungen ist. Und genau deshalb war es ein so spannender und inspirierender Nachmittag, an dem ich in Bad Münstereifel die Arbeit gerne einmal habe Arbeit sein lassen.

Über den Autor
Frank Frank
Im Sommer 2018 bin ich von Lifespring mit der Redaktion dieses Blogs betraut worden und der Autor dieses Beitrags. Mein Name ist Frank. Seit vielen Jahren arbeite ich als freier Redakteur, Texter und Lektor. Auch ich habe eine „Suchtkarriere“ durchlebt. Bei mir war es der Alkohol. Seit 4 Jahren bin ich abstinent. Ich will hier nicht den häufig bemühten Himmel-Hölle-Vergleich bemühen. Denn beim Durchleiden meiner Sucht war nicht alles Hölle. Und jetzt, im Zustand der „Enthaltsamkeit“, ist nicht nur der Himmel auf Erden. Trotzdem war der Ausstieg aus einem alkoholschwangeren Leben die beste Entscheidung, die ich in jüngerer Zeit getroffen habe. Ich habe meine Freiheit und einen überwiegend klaren Kopf zurückgewonnen – auch wenn das Weltgeschehen mit nüchternem und enteuphorisiertem Blick nicht immer leicht zu ertragen ist. In diesem Blog möchte ich unter anderem über aktuelle Themen aus der Suchtforschung, aus dem Klinikalltag von Lifespring sowie aus den behandelten Suchtindikationen berichten. Ganz besonders möchte ich aber eins: Sie, als Betroffene oder Betroffenen, und Ihre unter Umständen ebenfalls betroffenen Angehörigen, genau da „abholen“, wo Sie der Schuh beziehungsweise die Sucht drückt.
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